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 Momme-Nissen-Haus auf der Nordseeinsel Pellworm

Am 16. Juli 1978, wurde das Momme-Nissen-Haus auf Pellworm mit einem festlichen Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben: Kirche und Gemeindehaus für die katholischen Einwohner und Gäste der Insel.

Damit ging ein lange gehegter Wunsch vor allem der Sommergäste in Erfüllung, die bisher auf einen eigenen Sonntagsgottesdienst verzichten mußten. Lediglich nach dem zweiten Weltkrieg hatte es gelegentlich einmal katholischen Gottesdienst und auch mal eine katholische Taufe auf Pellworm gegeben.


Momme Nissen Haus Pellworm

Kirchlich gesehen gehörte die Insel bis 1973 zur katholischen Gemeinde Husum.

Flyer Momme-Nissen-Haus

Der erst kürzlich verstorbene Pfarrer Wiest erzählte gerne, daß er fünf oder sechs Gottesdienste auf Pellworm gehalten habe (in der alten oder neuen Kirche) jedesmal zu einer Beerdigung, und der einzige katholische Teilnehmer bei diesen Gottesdiensten lag jedesmal im Sarg.

1973 wurde die Insel der katholischen Kirchengemeinde Nordstrand zugeteilt. Pastor Schmidt nahm damals sofort Kontakt mit Pastor Hambruch und Bürgermeister Dethlefsen auf, und mit Beginn der Saison konnte der erste regelmäßige katholische Gottesdienst auf Pellworm nach der Reformation eingerichtet werden.

Im Sommer wurde dankenswerter Weise die "Neue Kirche" hierfür zur Verfügung gestellt, im Winter ein Klassenraum in der Schule, den Hausmeister Palmhoff und seine Frau stets liebevoll herrichteten. Quartier fanden die katholischen Geistlichen bei Oma Julia Bütter am Klostermitteldeich in einer kleinen Ferienwohnung. Pastor Schmidt erinnert sich noch immer dankbar an die Wärmflasche, die Oma Julia an den oft eiskalten Wintertagen fürsorglich jedesmal ins Bett gepackt hatte.

Die katholischen Feriengäste nahmen das Gottesdienstangebot gerne an. In der Hochsaison war die Neue Kirche gut gefüllt. So regte sich schon bald der Gedanke, ein eigenes Gebäude zu erwerben oder neu zu bauen. Nach längerem Suchen war es dann 1977 endlich so weit. Von Mandus Jacobsen konnte ein kleines Anwesen im Großen Norderkoog erworben werden. Da wurde dann im ehemaligen Kuhstall eine Kapelle eingerichtet und der alte Kornboden zu Appartements für die künftigen Gastpriester umgebaut. Unter der Leitung von Baurat Heinrich Hüttenmüller machte die Firma Alex Brauer aus dem alten Gebäude ein schmuckes Anwesen, das heute zu den Sehenswürdigkeiten von Pellworm gezählt werden kann: das "Momme-Nissen-Haus".

Seinen Namen erhielt es nach Momme Nissen. Dieser war 1870 in Deezbüll geboren, ein Neffe des berühmten Friesenmalers Carl Ludwig Jessen. Auch er wurde zunächst Kunstmaler, dann Freund und Sekretär des "Rembrandtdeutschen" Julius Langbehn, der mit seinem Buch "Rembrandt als Erzieher" damals großes Aufsehen erregte.
Wie sein Freund Langbehn konvertierte Momme Nissen zum katholischen Glauben. In Rom malte er die Päpste Leo XIII. und Pius X. Nach dem Tode Langbehns widmete sich Nissen der Herausgabe seines Nachlasses und war vielfach schriftstellerisch tätig. 1916 trat er in den Dominikanerorden ein und wurde Priester. Zeitweilig war er auch Novizenmeister seines Ordens im Kloster Warburg. Nach kurzen Aufenthalten in Berlin und Freiburg siedelte er 1935 nach Ilanz in Graubünden über. Mit Sorgen verfolgte er die politische Entwicklung in seinem Vaterland. 1943 starb er in Ilanz, ohne das Ende des Krieges und des Nationalsozialismus, vor dessen Verfolgung er ins Ausland gegangen war, zu erleben.

Die Fenster des Momme-Nissen-Hauses, wie auch das Gemälde an der Altarwand gestaltete Professor Griesenbrock aus Vaals/Holland, nach Vorschlägen von Pfarrer Schmidt. In den Fenstern wird die Flut von 1634 wieder lebendig. Einige Fenster sind den Kirchenpatronen untergegangener Nordstrander Kirche gewidmet. Das "Holländerfenster" zeigt symbolisch das Staller-Ehepaar Indervelden in der holländischen Tracht des 17. Jahrhunderts. Die Kapelle ist dem Fischer vom See Genesareth, dem Apostel Petrus geweiht.

Als erster Hausmeister wirkte etwa zehn Jahre lang Herr Ulrich Beyer, dessen Eltern im Sommer kräftig im Hause mithalfen. Nach ihm übernahm das Ehepaar Harro und Magrit Rahn diese Aufgabe, die sie bis heute vorbildlich und zur großen Zufriedenheit der Gemeinde und der Gäste erfüllen.

Inzwischen hat sich das Momme-Nissen-Haus zu einem echten kulturellen Zentrum entwickelt. Nicht nur dass dort Herr Hagenhoff den katholischen Religionsunterricht für die Grundschüler durchführt , es werden hier auch Vorträge des Erwachsenenbildungswerks angeboten, auch die Initiative "Insel-Lieder-Leute" nutzt die Räume regelmäßig und so manche Aufnahme des Pellwormer Chores hat wegen der guten Akustik in der Kapelle hier stattgefunden. Auch für den Musikunterricht von Frau Kosack steht der Gruppenraum zur Verfügung.

Das wichtigste ist natürlich der sonntägliche Gottesdienst, zu dem sich an den Hauptsonntagen in der Saison bis zu 150 Gottesdienstteilnehmer einfinden. Viele Priester aus allen Teilen Deutschlands kommen immer wieder nach Pellworm, um diesen Dienst hier an den Kurgästen zu leisten. Im Winter wird die Zahl der Teilnehmer dann bescheidener, so daß nur jeden zweiten Sonntag im Monat eine Abendmesse von Nordstrand aus angeboten wird.

Mit großer Freude ist auch das gute ökumenische Verhältnis der christlichen Kirchen auf Pellworm zu erwähnen. Noch kürzlich, als Weihbischof Dr. Hans Jochen Jaschke auf Pellworm die Firmung spendete, hatte Pastor Adam mit dem evangelischen Gospelchor die Feier mitgestaltet.

Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf  

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