Dezember 2008
„Die Nacht ist vorgedrungen““, so beginnt ein Adventslied nach Versen von Jochen Klepper, in der das Sehnen von der dunklen Nacht zum hell erleuchteten Tag besungen wird ...
Wir kennen die „Nacht“, sowohl die Nacht um uns herum als die in uns, ausgedrückt in Bildern: Jemand „sieht schwarz“, „tappt im Dunkeln“ oder „blickt nicht mehr durch“.
Alle Religionen können als Antwortversuch auf das Dunkel des Lebens verstanden werden. Nur wer in die Tiefe geht, wer die Tiefpunkte des eigenen Lebens zu durchleiden wagt, wird ganz werden, heil und erlöst. „Nacht“ bedeutet beides: Sie ist undurchschaubar, gefährlich und sie ist schützendes Dunkel, Raum des Vertrauens, erholsamer Schlaf.
Die Nacht spielt auch in der christlichen Liturgie eine zentrale Rolle: die Heilige Nacht, in der Jesus geboren wurde, die Osternacht, in der das neue Licht leuchtet, das alle Finsternis überwindet. In Taizé, wo ich mit Schülern schon mehrfach die Lichterfeier, in der der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird, erleben durfte, kommt dies besonders zum Ausdruck, wenn sich das Licht in der schummrigen Kirche langsam zu einem glanzvollen Lichtermeer ausweitet.
Die entscheidende Botschaft des Advent lautet: Die Nacht gehört zu unserem Leben dazu, aber es wird nicht Nacht bleiben. Auch im Dunkel der Krankheit, Hilflosigkeit, Unfreiheit, auch in der quälenden Frage nach dem „Warum?“ oder im Dunkel des Todes ist Gott anwesend. „Mitten im Unheil kommt das Heil auf uns zu“.
Diese kraftvolle Hoffnungsbotschaft zu bezeugen, ist Auftrag der Kirche. Wir brauchen diese Visionen, die sich auf das beziehen, was Menschen und die Welt wirklich bewegt.
In den Armenvierteln ebenso wie an den Börsenplätzen, in der „Religion“ der Unterhaltungsindustrie bis zur Unterhaltung durch die Religionen. Die Adventsbotschaft verschweigt nicht das Dunkel, aber sie verheißt das Licht. Sie bringt nicht Vertröstung, wohl aber Trost. Sie ist durchaus politisch und sieht doch jeden einzelnen. Für diesen Glauben stehen auch die eindrucksvollen Verse von Jochen Klepper, der diese im Vorkriegsjahr 1938 schrieb: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.“
Matthias G. Hagenhoff
November 2008
von:
„Nur wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich nur rückhaltlos
seiner Führung anvertrauten.“
Ignatius von Loyola
DAS LEBEN MUSS SICH ÄNDERN
Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit,
nichts so unvergänglich wie die Vergänglichkeit.
Darum genieße ich den kostbaren Augenblick,
die schönen Stunden und Tage,
denn sie werden vergehen.
Ich will nicht traurig darüber sein,
sondern dieses unumstößliche Gesetz des Lebens
mit größtmöglicher Gelassenheit akzeptieren.
Ich will lernen, das Wunderbare zu umarmen,
ohne mich daran zu klammern.
Das Leben ist in ständiger Bewegung,
immer im Umbruch begriffen.
Es ändert sich von Sekunde zu Sekunde
und muss sich ändern,
um lebendig zu bleiben.
Und ich muss mich mit ihm ändern,
ohne mir untreu zu werden.
Hans Kruppa
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"Lebe jeden Tag, als ob es dein erster und dein letzter wäre."
Angelus Silesius
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"Schafft Euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt! Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht.
Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist es ein Greis, vielleicht ein Kind. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann. An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet. Lass dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass dir ein Nebenamt, in dem du dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist dir eines bestimmt, wenn du es richtig willst."
Albert Schweitzer
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Lieber Gott...
Ich habe so lange nicht gebetet.
Ich weiß auch nicht, warum ich es jetzt gerade tue,
und auch nicht, ob es überhaupt richtig ist,
dass ich bete und wie ich bete.
Ich habe soviel auf dem Herzen
und mag es niemanden sagen außer Dir.
Du kennst mich sogar besser als ich mich selbst.
Ich danke dir, dass du mir überhaupt den Mund geöffnest hast,
und bitte dich: Tu es immer wieder und hilf mir. Amen.
Quelle unbekannt
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Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen, um dich zu schützen gegen Gefahren.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke des Bösen.
Der Herr sie unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott heute und morgen und immer,
Amen.
Patrick, Apostel von Irland
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Die größte Kraft des Universums
Ein Märchen
Ein altes Märchen erzählt von den Göttern, die zu entscheiden hatten, wo sie die größte Kraft des Universums verstecken sollten, damit der Mensch sie nicht finden könne, bevor er dazu reif sei, sie verantwortungsbewußt zu gebrauchen.
Ein Gott schlug vor, sie auf der Spitze des höchsten Berges zu verstecken, aber sie erkannten, daß der Mensch den höchsten Berg ersteigen und die größte Kraft des Universums finden würde, bevor er dazu reif sei.
Ein anderer Gott sagte: »Laßt uns diese Kraft auf dem Grund des Meeres verstecken.« Aber wieder erkannten sie, daß der Mensch auch diese Region erforschen und die größte Kraft des Universums finden würde, bevor er dazu reif sei.
Schließlich sagte der weiseste Gott:
»Ich weiß, was zu tun ist. Laßt uns die größte Kraft des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird niemals dort danach suchen, bevor er reif genug ist, den Weg nach innen zu gehen.«
Und so versteckten die Götter die größte Kraft des Universums im Menschen selbst, und dort ist sie noch immer und wartet darauf, daß wir sie in Besitz nehmen und weisen Gebrauch davon machen.
Kurt Tepperwein
Oktober 2008
Von: Theodor Fontane,Charles de Foucauld, A. Saint-Exupéry
Spätherbst
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht - Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.
Theodor Fontane (1819-1898)
Der Herbst lädt dazu ein – so wie Theodor Fontane – auf die „Ernte“ des Jahres zu schauen, sich über das zu freuen, was man „geschafft“ oder „geleistet“ hat, stolz zu sein auf den Erfolg im Beruf, im persönlichen Leben. Aber muss man dafür dankbar sein? Und wem gegenüber? Gott etwa? Habe ich das, was ich erreicht habe, nicht ganz allein mir selbst zu verdanken? – Wer glaubt, sich niemandem mehr verdanken zu müssen, wer sich selbst für ein autonomes System hält, der braucht keinen Dank mehr. Den stellen auch Erfolgsbilanzen zufrieden.
In einer Zeit, in der die ökonomische Betrachtungsweise dieser Welt immer mehr durch die ökologische ergänzt wird, täte eine Rückbesinnung auf die Abhängigkeit von der Natur und auf die notwendige Dankbarkeit Gott gegenüber gut. Denn wir bleiben Teil der Natur und der Schöpfung, selbst wenn wir in die Natur eingreifen. Vielleicht können wir mit Gottes Schöpfung umgehen, sie selber voraussetzungsfrei schaffen können wir nicht.
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"Du bist dazu
berufen
das Evangelium
von den Dächern
zu verkünden.
Nicht durch dein
Wort,
sondern durch dein
Leben. "
Charles de Foucauld
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Du brauchst Gott nicht
Du hast eine Arbeit.
Dein Lohn reicht aus,
um dir die meisten Wünsche zu erfüllen.
Du bist nicht krank,
du brauchst Gott nicht.
Warum stehst du dann manchmal am Fenster
und versinkst in der weiten Landschaft?
Deine Freundin verläßt dich nicht.
Mit deinen Eltern kommst du gut aus.
Dein Urlaub ist vorbereitet,
deine Freunde mögen dich.
Du brauchst Gott nicht.
Warum kennst du dann das Gefühl des Suchens,
ohne Ziel und Weg?
Kennst du den Wunsch,
für den es keine Worte gibt?
Leben, Erfüllung, Freiheit, Sinn
sind die Worte, die dir kommen,
aber keins trifft, was du suchst.
Oder hast du alle Wünsche,
Träume und Hoffnungen zurückgenommen,
weil du nichts gefunden hast?
Oder kann es sein,
daß es noch mehr gibt?
Herr, wir sind auf der Suche,
wir sind nicht fertig, nicht am Ziel.
Unsere Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte
treiben uns um.
Wir können uns nicht zufrieden geben
mit dem äußeren Schein unseres Lebens;
wir suchen den Sinn,
den tragenden Grund unserer Existenz.
Hilf uns, daß wir nicht satt sind und zufrieden,
sondern halte unsere Sehnsucht wach
nach dem „Mehr als alles“ für uns selbst
und für die anderen.
Laß uns Menschen begegnen,
mit denen wir gemeinsam träumen können,
damit so neue Wirklichkeiten entstehen.
Darum bitten wir Dich, den „Mehr als alles“,
Amen
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"SPÄTER"
Viele leben so dahin,
als wären sie unsterblich.
Und wenn sie in ein paar Jahren
zu alt und zu schwach sind,
noch das zu leben, was sie hofften,
dann schweigen sie
mit leeren Augen und zerknitterter Haut
den Tränen nach,
die sie hätten leben können,
wenn sie nicht auf ein
SPÄTER
vertraut hätten.
Es erschreckt mich,
so viele junge Menschen zu kennen,
deren Haut noch glatt ist wie Samt,
deren Augen aber schon geleert sind.
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„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz.
„Guten Tag“, sagte der Weichensteller.
„Was machst du da?“ sagte der kleine Prinz.
„Ich sortiere die Reisenden nach Tausenderpaketen“, sagte der Weichensteller. „Ich
schicke die Züge, die sie fortbringen, bald nach rechts, bald nach links.“
Und ein lichterfunkelnder Schnellzug, grollend wie der Donner, machte das Weichenstel-
lerhäuschen erzittern.
„Sie haben es sehr eilig“, sagte der kleine Prinz. „Wohin wollen Sie?“
„Der Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht“, sagte der Weichensteller.
Und ein zweiter blitzender Schnellzug donnerte vorbei, in entgegengesetzter Richtung.
„Sie kommen schon zurück?“ fragte der kleine Prinz ...
„Das sind nicht die gleichen“, sagte der Weichensteller. „Das wechselt.“
„Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?“
„Man ist nie zufrieden dort, wo man ist“, sagte der Weichensteller.
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden Schnellzuges vorbei.
„Verfolgen diese die ersten Reisenden?“ fragte der kleine Prinz.
„Sie verfolgen gar nichts“, sagte der Weichensteller. „Sie schlafen da drinnen, oder sie
gähnen auch. Nur die Kinder drücken ihre Nasen gegen die Fensterscheiben.“
„Nur die Kinder wissen, wohin sie wollen“, sagte der kleine Prinz. „Sie wenden ihre Zeit an
eine Puppe aus Stoff-Fetzen, und die Puppe wird ihnen sehr wertvoll, und wenn man sie
ihnen wegnimmt, weinen sie ...“
„Sie haben es gut“, sagte der Weichensteller.
aus: A. Saint-Exupéry, Der kleine Prinz, die Geschichte vom kleinen Prinz und dem Weichensteller.
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Es muss im Leben noch mehr als alles geben
Jennie war eine Hündin, die alles hatte, was das Leben angenehm machen kann. Sie schlief auf weichen Kissen und hatte zwei Schüsseln für ihr Futter. Außerdem besaß sie einen eigenen Kamm und eine Bürste. Bei kaltem Wetter trug sie einen roten Wollpullover. Darüber hinaus hatte sie zwei Fenster zum Hinausschauen. Vor allem aber fühlte sie sich von ihrem Herrn geliebt. Doch in all dem fand die Hündin nicht ihr Glück. Um Mitternacht packte sie ihre Habseligkeiten in eine große schwarze Ledertasche und blickte zum letzten Mal zu ihrem Lieblingsfenster hinaus. Die Topfpflanze, die zum selben Fenster hinausschaute, schüttelte den Kopf. "Wer kann dich verstehen?" fragte sie. "Alles, was man sich wünschen kann, ist dir zu eigen. Vor allem hast du jemanden, der dich liebt. Warum also willst du fort?"
"Das ist wahr", sagte Jennie und biß von der Pflanze ein Blatt nach dem andern ab. "Ich gehe, weil ich unzufrieden bin." Kaum hatte sie das gesagt, fraß sie den Stengel mit der Blüte. "Ich wünsche mir etwas, was ich nicht habe. Es muß im Leben noch mehr als alles geben!" Die Pflanze sagte nichts mehr; es war ihr nichts geblieben, womit sie hätte antworten können.
Maurice Sendak
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„Ach, es gibt nur ein Problem, ein einziges in der Welt: Wie kann man den Menschen eine geistige Bedeutung, eine geistige Unruhe wiedergeben; etwas auf sie herniedertauen lassen, was einem Gregorianischen Gesang gleicht! . . . Sehen Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann es nicht mehr.“
Antoine de Saint-Exupery
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„Unsere tiefste Angst ist es nicht, ungenügend zu sein. Unsere tiefste Angst ist es, dass wir über die Maßen kraftvoll sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das am meisten Angst macht. Wir fragen uns selbst, wer bin ich – von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin?
Aber in Wirklichkeit – warum solltest du es nicht sein? Du bist ein Kind Gottes. Dein Kleinmachen dient nicht der Welt. Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem! Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein auch die anderen.“
Nelson Mandela
September 2008
Von:
Hab keine Angst,
wenn du auf Unbekanntes zugehst
und neue Wege von dir verlangt werden.
Gottes Kraft begleite dich.
Dein Weitergehen soll gesegnet sein.
Nach einem irischen Reisesegen
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Freude durch Lob
Lob - das ist wie ein wärmender, sommerlicher Sonnenstrahl. Von dem Philosophen Josef Pieper stammt das Wort: "Der Mensch ist so gebaut, dass er darauf angewiesen ist, dass man ihm von Zeit zu Zeit sagt: Es ist gut, dass es dich gibt!"
Jeder Mensch braucht ab und zu Lob, Anerkennung, Bestätigung. Das lässt ihn aufblühen. Man sollte sich über das Lob freuen, das andere einem spenden. Schlicht und einfach freuen, ohne dabei in Selbstüberschätzung und Selbstüberheblichkeit zu verfallen. Man hat etwas Gutes vollbracht, und dafür darf man ruhig und ohne schlechtes Gewissen Lob einstecken. Die Abwehr von Lob, die falsche Bescheidenheit zeigt: In ungesunder Weise ist man entweder nicht in der Lage, eigene Erfolge zu erkennen - oder unfähig, zu ihnen zu stehen; man schämt sich ihrer, statt sich zu freuen und stolz zu sein.
Umgekehrt ist es gut und aufbauend, andere Menschen zu loben. Verdeutlicht es doch, dass man ihr Dasein und Wirken bewusst registriert und sich drüber freut, dankbar für sie ist. Und es macht ihr Leben heller.
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Danke! - Ein schweres Wort,
wenn das Glück genommen, die Freude verstummt,
Leben ausgelöscht, Hoffnung zerstört,
wenn des Lebens Sinn sinnlos erscheint.
Danke! - Ein gutes Wort,
aus dem Herz gesprochen, weil Gutes zuteil wurde,
das zur inneren und äußeren Gesundung beigetragen,
weil Güte, Wärme und Liebe erlebbar wurde.
Danke! - Ein wortloses Wort
im Aufleuchten der Augen, im Händedruck,
in der schützenden Umarmung, im Angenommensein,
verstanden als Aufmunterung und Zuspruch.
Danken - ein schönes Wort,
und mehr als nur ein Wort, denn es bekundet:
Du hast Dir Gedanken über mich gemacht, gute Gedanken.
Was mir zuteil wird, ist mehr als ein Geschenk:
Du hast Dein Herz sprechen lassen!
Wer dankt, bezeugt, daß er nicht gedankenlos dahinlebt.
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Gutes sprechen
Die Weisung der Bergpredigt, nicht über andere etwas Schlechtes zu sagen, ist wohl die am schwersten zu erfüllende: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Matthäus 7,1). Im Märchen der Gebrüder Grimm „Die drei grünen Zweige“ werden die Folgen der Selbstgerechtigkeit auf
tragische Weise beschrieben. Ein alter Einsiedler, geprägt durch Askese und Gebet, stand im Einklang mit sich und dem Schöpfer. Als er eines Tages einen Sünder sah, der zum Galgen geführt wurde, dachte er ganz ahnungslos bei sich: „Jetzt widerfährt diesem Recht.“ Allein schon dieser Gedanke von ihm brachte in die gesamte Atmosphäre eine derartige Störung, dass der Einsiedler in seiner Glaubensentwicklung zurückfiel und in großer äußerer und innerer Armut – was für ihn weitaus schlimmer war – sein Leben fristen musste. Ganz am Ende seines Lebens wurde ihm jedoch Erlösung zuteil.
Ein großes Hindernis auf dem geistlichen Weg nach innen sind die vielen leeren und oft negativen Worte und die entsprechenden Gedankeninhalte. Ohne uns selbst und den anderen wirklich zu kennen, kommt es oft zu schnell und oberflächlich Dahergesagtem, das den anderen nicht nur verletzt, sondern ihn auch nach unten zieht – vom Licht ins Dunkel. Eines kommt noch hinzu: Wir selbst nehmen an dieser Gott abgewandten Bewegung teil.
Die Wertschätzung der guten Eigenschaften eines Menschen dagegen hebt ihn an und motiviert ihn, noch besser zu werden. In diese dem Licht zugewandte Bewegung sind dann auch wir mit einbezogen. Wie glücklich darf sich derjenige schätzen, der das Bedürfnis nicht in sich spürt, über andere schlecht zu reden oder sie gar zu beschimpfen.
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Manchmal begegnet mir Gott in der Liebe als Freund.
Wenn ich in der Bibel über Gott lese, dann bemerke ich Unterschiede. Manchmal wird über Gott geredet wie von einer Mutter. So heißt es im Buch des Propheten Jesaja: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet" (Jesaja 66,13). Oder im Psalm 36: "Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben" (Psalm 36,8). Manchmal ist von Gott die Rede als dem Vater, einem strengen oder auch mehr liebevollen. Wie es im Psalm 103 heißt: "Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten" (Psalm 103,13). Oder im 2. Buch Mose: "Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern" (2. Mose 19,5).
Vielleicht merken Sie den Unterschied, wenn von Gott als Mutter oder Gott als Vater die Rede ist. Es ist ein bisschen so wie in unserer Erfahrung im Umgang mit irdischen Müttern und Vätern. Mütter lieben ihre Kinder so, wie sie sind, Väter am meisten diejenigen, die ihnen ähnlich sind und das tun, was sie (die Väter) wollen.
Manchmal begegnet mir Gott in der Liebe als Freund. So wie es im 2. Buch Mose einmal heißt: "Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet" (2. Mose 33,11). Oder wie es Jesus einmal zu seinen Jüngern sagt: "Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid, denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid" (Johannes 15,15).
Und manchmal begegnet mir Gott gar nicht wie ein Mensch, eine Gestalt meiner persönlichen Erfahrung, also wie Mutter, Vater oder Freund, sondern wie ein Prinzip der Liebe und der Gerechtigkeit. So wie es im 1. Johannesbrief im 4. Kapitel heißt: "Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1. Johannes 4,16).
Gott ist für mich alles in allem, nämlich Vater oder Mutter, Freund und Trost; er ist zuzeiten über mir, neben mir und auch in mir. Einer, der mit mir geht auf dem Weg meiner Entwicklung, der mir erlaubt, so etwas wie einen erwachsenen Glauben zu haben. Wie Paulus sagte: "abzulegen, was kindlich war", und das zu finden, was Glaube eben nur bedeuten kann für einen erwachsenen Menschen.
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Nicht daran, wie einer von Gott redet, erkenne ich, ob seine Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe gegangen ist, sondern daran, wie er von irdischen Dingen spricht.
Simone Weil
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Versteckt hinter der Sucht
Unsere Zeit ist eine Zeit der Desillusion. Skepsis und Zynismus machen sich breit. Die Visionen sind verflogen. Wir misstrauen großen Worten. Für manche ist Sehnsucht nichts als Fata Morgana. In der postmodernen Zeit leben wir ohne Illusionen. Da gibt es nur noch ein „Post“, also ein Nachher, frei von allen Hoffnungen und Sehnsüchten, und kein Voraus, das wohl das Wesen der Sehnsucht ausmacht. Der Mensch kann aber auch in Zeiten der Desillusionierung die Sehnsucht nicht ganz lassen. Wir brauchen uns nur umzuhören, dann erkennen wir seine heimlichen Sehnsüchte in den vielen Schlagern, die seine Sehnsucht nach Liebe besingen. Wir entdecken die heimliche Sehnsucht in den Begierden und Bedürfnissen, die die Konsumgesellschaft wachruft und zu stillen versucht. Sehnsüchte werden kommerzialisiert. Sie verstecken sich hinter vielen Ersatzbefriedigungen. Oder wir brauchen nur die Inhalte von populären Illustrierten zu betrachten, das Verlangen, am Glanz der Filmstars und Sportstars teilzuhaben, oder die Neugier, alles über Königshäuser zu erfahren. Man möchte selber König oder Prinzessin sein.
Sehnsucht versteckt sich heute vor allem hinter der Sucht. Und die ist immer verdrängte Sehnsucht. In der Sucht suche ich eigentlich das, was ich in der Tiefe meines Herzens ersehne. Aber ich gebe meine Sehnsucht nicht zu. Ich möchte in der Sucht meine Sehnsucht überspringen und mir direkt nehmen, was ich ersehne. Das mittelhochdeutsche Wort Sucht kommt von siech, von krank sein. Erst in unserer Zeit hat man die Sucht mit der Suche zusammengesehen. Sucht macht abhängig und krank. Ich suche nicht weiter. Ich begebe mich in eine Abhängigkeit, die mir scheinbar schenkt, wonach ich mich sehne. Aber ich bekomme nie, was ich ersehne.
In der Sucht sehnen wir uns letztlich nach dem Paradies des Mutterschoßes. Wir scheuen uns, das Paradies zu verlassen. Wir bleiben im Mutterschoß zurück. Wir weigern uns, die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Wir wollen nicht erwachsen werden. Wir haben uns so daran gewöhnt, verwöhnt zu werden, dass wir nicht bereit sind, uns dem Leben mit seinen Herausforderungen zu stellen. Wir suchen in der Sucht nach dem verlorenen Paradies. Wir bleiben im Konsumieren stecken, anstatt uns aufzumachen, um das Leben in die Hand zu nehmen. Wir meinen, das Glück sei durch Konsum, durch Alkohol, durch Drogen, durch Tabletten erfahrbar. Oder wir glauben, wir könnten das Glück durch Arbeit erarbeiten, durch Anerkennung erreichen, durch Spielen erfahren. Die Frage ist, wie wir von der Sucht als Mutterersatz loskommen. Wer zu nah bei der Mutter bleibt, wird nie erwachsen werden.
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Engel
"Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise,
sie müssen nicht schrein,
manchmal sind sie alt und häßlich und klein,
die Engel.
Sie haben kein Schwert,
kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder wohnt neben dir,
Wand an Wand,
der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
[...] der Engel.
Er steht im Weg
und er sagt: Nein,
der Engel,
groß wie ein Pfahl
und hart wie ein Stein -
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel."
Rudolf Otto Wiemer
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Der rettende Engel der Barmherzigkeit –
vielleicht versteckt er sich
in einer Einladung ins Kino,
in einem Brief oder in einer simplen Tasse Tee.
Ida Friederike Görres
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Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen,
Herr, sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch,
um im täglichen Vielerlei und Allerlei
rechtzeitig meine Erfahrungen zu notieren,
von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl,
um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist.
Ich bitte Kraft für Zucht und Mass,
dass ich nicht durch das Leben rutsche,
sondern den Tagesablauf vernünftig einteile,
auf Lichtblicke und Höhepunkte achte
und wenigstens hin und wieder Zeit finde
für einen kulturellen Genuss.
Lass mich erkennen,
dass Träume nicht weiterhelfen,
weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft.
Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun
und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe des Lebens sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran,
dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand,
der den Mut hat,
mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Ich möchte dich und die anderen
immer aussprechen lassen.
Die Wahrheit sagt man nicht sich selbst,
sie wird einem gesagt.
Du weisst, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib, dass ich diesem, schönsten, schwierigsten,
riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens
gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte,
mit oder ohne Worte,
an der richtigen Stelle auszugeben.
Mach aus mir einen Menschen
der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,
um auch die zu erreichen, die unten sind.
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Antoine de Saint-Exupéry
August 2008
Von:
Engel der Tapferkeit
„Ich wünsche Dir den Engel der Tapferkeit, damit Du Dein Leben wirklich bestehen kannst, dass Du nichts ausweichst, wenn Dir der Gegenwind um die Ohren bläst, dass Du nicht fliehst, wenn Dich ein Unglück trifft. Und ich wünsche Dir Tapferkeit im Umgang mit den alltäglichen Konflikten, dass Du frei bist von dem Zwang, Dich überall beliebt zu machen. Der Engel der Tapferkeit möge Dir beistehen, wenn Du in Gefahr bist, umzufallen vor der Meinung der anderen, wenn Du am liebsten den Kampf aufgeben möchtest um des lieben Friedens willen.
Wenn der Engel der Tapferkeit bei Dir ist, werden Lösungen möglich, die am Ende für alle gut sind. Der Tapfere meidet jeden faulen Kompromiss. Er tritt für das Leben ein. Er kämpft für das Leben. Der Engel der Tapferkeit kämpft an seiner Seite. Ich wünsche Dir nicht nur den Engel der Tapferkeit vor dem Feind, sondern auch vor dem Freund. Der Engel möge Dich davor bewahren, Dich bestechen zu lassen und Dich anzupassen, um den Freund nicht zu verlieren. Der Engel der Tapferkeit widersteht auch dem Freund dort, wo es nötig ist. Das festigt die Freundschaft, statt sie zu zerstören.“
Anselm Grün
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"Wenn ich mein Leben noch
einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu
machen. Ich würde nicht mehr so perfekt
sein wollen, ich würde mich mehr
entspannen. Ich wäre ein bisschen
verrückter, als ich es gewesen bin, ich
würde viel weniger Dinge so ernst
nehmen. Ich würde mehr riskieren, würde
mehr reisen, Sonnenuntergänge
betrachten, mehr bergsteigen, mehr in
Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar
verbrachten; freilich hatte ich auch
Momente der Freude, aber wenn ich noch
einmal anfangen könnte, würde ich
versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu
haben. Falls du es noch nicht weisst, aus diesen besteht nämlich das Leben; nur aus Augenblicken; vergiss nicht den
jetzigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn bis in den
Spätherbst hinein barfuss gehen. Und ich
würde mehr mit Kindern spielen, wenn
ich das Leben vor mir hätte. Aber sehen
sie...Ich bin 85 Jahre alt und ich weiss, dass ich bald sterben werde."
Jorge Luis Borges
Juli 2008
Von:
Sein wie die Erde, ein Boden,
nahrhaft und dunkel genug,
dass ein Baum daraus wachse ...
Oder ein Baum sein, der
aufrecht und voller Kraft
seine Zweige breitet und Blätter ...
Vielleicht nur ein Zweig,
demütig genug, das bitte ich,
um das Lied eines Vogels zu tragen ...
Ein kleines Lied, das dich lobt
früh, wenn es tagt,
und am Abend, ehe es dunkelt ...
Lothar Zenetti
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Bin ich eine Harfe
in deiner Hand?
Stimme mich
auf deinen Ton,
spielender Gott!
Schon schwinge ich
von deinem Atem,
der mich durchweht.
Greif in die Saiten,
und ich bin Gebet.
Margarethe Mehren
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Blauer Schmetterling
Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert,
vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir
winken,
Glitzern, flimmern,
vergehn.
Hermann Hesse
„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ -so der Titel eines Romans von Milan Kundera, an den man beim Betrachten dieses Motivs erinnert wird. Wer wünscht sie sich nicht, diese Leichtigkeit, die fast schon wieder schwermütig macht.
Einfach leben können, frei und unbekümmert den Sommer genießen dürfen- das, was war, hinter sich lassen und sich freuen auf das, was kommt, was vor einem liegt,- da sein und leben dürfen, die Natur erleben und sich selbst als ein Teil von ihr.
Der blaue Schmetterling lädt dazu ein, das Glück -kurz und vergänglich wie es ist - nicht krampfhaft festhalten zu wollen, wohl es aber wahrzunehmen, es auszukosten und anderen daran Anteil zu geben.
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"Die wichtigste Stunde
ist immer die Gegenwart;
der bedeutendste Mensch ist immer der,
der dir gerade gegenüber steht;
das notwendigste Werk
ist immer die Liebe."
Meister Eckhard
Juni 2008
Von: Matthias G.-Hagenhoff
„Um Vögel zu sehen, muss man ein Teil der Stille werden“ (Robert Lyndd)
Sommerzeit – Zeit der Muße
Es ist heiß. Ich sitze am Außendeich von Pellworm und schaue auf das Wattenmeer. Am tiefblauen Himmel unbeweglich die Sonne. Möwen in der Luft, grasende Schafe um mich herum. Beim Einatmen spüre ich die warme Luft in meiner Nase.
Sommerzeit: Zeit der Muße, der Ruhe, der Erholung von Leib und Seele. Doch das Bewusstsein hinkt hinterher. Vom Muss zur Muße das braucht Zeit. Mit einem Klick im Gehirn kann man seinen Lebensrhythmus nicht einfach umstellen. Gönnen wir uns Zeiten, in denen wir uns von der Muße küssen lassen? Nein, nicht von der Muse, der Göttin der schönen Künste und Wissenschaften, sondern von der Muße, die im Duden als Freizeit beschrieben wird. Muße zu beschreiben, ist gar nicht leicht. Es geht um zeitweiliges Freisein vom Müssen, von Leistung, von Forderung. Dazu gehört, dass ich den Augenblick genießen, mich fallenlassen oder einfach meine Seele in die Sonne halten kann. Es ist ein Zu-sich-selbst-Kommen, ein Ganz-bei-sich-Sein, also das Gegenteil von Zerstreuung und Ablenkung.
Deshalb tut es gut, auf die Seele zu warten und sie nachkommen zu lassen, weil wir sie möglicherweise irgendwo in der Hektik einer beschleunigten Welt, der Zwecke, Berechnungen und Pläne vergessen haben. In der Ruhe werden wir offen für ganz neue Erfahrungen. Wir nehmen unseren Körper bewusster wahr, den Herzschlag, den Atem, fühlen die Sonne auf der Haut, schmecken die Seeluft, empfinden den kühlenden Schatten. Wir brauchen dazu nicht einmal Auge und Ohr. Man kann auch innerlich wahrnehmen, ohne Absicht, ohne gezieltes Nachdenken, einfach so: Nur mit dem Herzen. Die Bilder, die das Auge treffen, werden sozusagen in der Dunkelkammer des Herzens entwickelt.
„Lausche, mein Herz, auf das Flüstern der Welt, womit sie um deine Liebe wirbt. Öffne deine Türen und erkenne die Musik des Glücks, die in allen Dingen schwingt“, so schreibt Rabindranath Tagore. Und der Theologe Romano Guardini hat einmal gesagt: „Ohne Muße ist der Mensch unvollständig und zerstückelt in Teile.“ In der Muße komme ich zu mir selbst, zum Sinn meines Lebens, zur Natur, zum anderen und auch zu Gott. Denn immer, wo ich in die Tiefe des eigenen Ichs oder in die Tiefe der Dinge vordringe, beginnt das Staunen über mich und die Welt und damit auch die Dankbarkeit. Wer Muße hat und mit den Augen des Herzens zu sehen versucht, für den kann jeder Punkt des Endlichen letztlich zum Unendlichen führen. Wo wir ans Unendliche rühren, da berührt uns manchmal Gott!
Und wenn Sie in den nächsten Wochen unterwegs sind, dann denken Sie daran: Der Sommer ist auch eine Einladung zum Entdecken der Lebenskraft und der Leichtigkeit. Er ist eine Einladung zum „Entschleunigen“, Musizieren und Tanzen, zum Radfahren und Spazierengehen, zum Genießen der Stille und zum Träumen. Ich wünsche Ihnen einen bunten Sommer, „heilige Tage - holydays“, einen schönen „Urlaub“, das heißt, „die Erlaubnis weggehen zu dürfen“, eine gute Erholung und Muße, die Sie zurückbringt zum Ursprünglichen und Wesentlichen.
Matthias G.-Hagenhoff
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Reisesegen
Fürchtet euch also nicht!
Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
(aus dem Evangelium nach Matthäus 10,31)
Anders mögen eure Tage,
Stunden, Minuten
und Sekunden vergehen.
Eure Uhren mögen sich im
Dreivierteltakt
geschenkter Zeit wiegen.
Die Spatzen mögen es euch
von den Dächern gleich
in eure Herzen pfeifen.
Das Leben ist schön,
hier in der Heimat
und dort in der Ferne
und gesegnet
und gut.
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Ich will mit dem gehen,
den ich liebe.
Ich will nicht ausrechnen,
was es kostet.
Ich will nicht nachdenken,
ob es gut ist.
Ich will nicht wissen,
ob er mich liebt.
Ich will mit ihm gehen,
den ich liebe.
Bertold Brecht
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Mai 2008
Von:
Zur menschlichen Würde
gehört das
Unvollkommene.
Ich bitte die Menschen,
sich dies zu erhalten.
Hanns-Dieter Hüsch
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Mach alles neu
Durch Dich
Heiliger Geist
kann alles neu werden
Gib uns neue Gedanken
und laß uns das Undenkbare denken
Gib uns neue Gefühle
und laß uns das Unbegreifliche fühlen
Gib uns neue Taten
und laß uns das Unmögliche tun
Gib uns ein neues Herz
und laß uns dem Unfassbaren Raum geben
Mach alles neu
und laß uns Deine neue Welt sein
hier auf Erden
Anton Rotzetter
April 2008
Von:
Über das Beten ...
Wir sind und bleiben Geschöpfe, die sich ganz und gar Gott “verdanken”. Ein Mensch, der seine Beziehung zu den Eltern nicht wahrhaben will, täuscht sich über sich selbst. Es gehört aber zur Wahrhaftigkeit, diese Beziehung auch zum Ausdruck zu bringen. Wo das Gespräch aufhört, hört auch die Beziehung auf. Was aber von der Beziehung unter Menschen gilt, gilt auch von der Beziehung zu Gott. Sie darf nicht nur theoretisch anerkannt werden, sie muß auch zum Ausdruck gebracht werden. Und das geschieht im Gebet. Vor allem im Gebet des Dankens und des Lobens. Das ist noch wichtiger als unser Bittgebet.
Beten weitet das Denken, das Fühlen, den Glauben.
Sich an Gott erinnern
Aber auch im Bittgebet geht es gar nicht darum, daß wir Gott an uns und unsere Not erinnern, sondern darum, daß wir uns an Gott erinnern.
Im Glaubensbekenntnis heißt es: “Ich glaube an Gott ...” Und dann folgen verschiedene Aussagen, die zum Ausdruck bringen, was Gott und Jesus Christus für unser Leben bedeuten. Das sieht wie ein Katalog von Glaubenswahrheiten aus. Damit aber wäre christlicher Glaube noch nicht gültig umschrieben. Denn unser Glaube ist nicht eine Summe von Lehrsätzen, sondern gründet darin, daß Gott uns anruft. Dieser Anruf aber erwartet, daß wir antworten; mit unserem ganzen Leben, aber auch mit Worten. Die Antwort aber richtet sich an den, der uns angesprochen hat und kann deshalb nicht nur Aussage sein: “Ich glaube an Gott”. Sie muß Anrede sein und lautet dann: “Ich glaube an dich, Gott”. Erst so drückt sich christlicher Glaube voll aus. Und dieser Satz ist ein Gebet. Gebet ist antwortender Glaube.
Eine Definition des Gebetes heißt: Beten ist das Atmen der Seele. Dies will sagen: So wichtig wie das Atmen für das menschliche Leben, so wichtig ist das Gebet für das geistige Leben des Menschen. Wer nicht mehr atmet, ist tot - wer nicht mehr betet, dessen Glaube ist tot. Wer nur oberflächlich atmet, ist krank - wer nur oberflächlich betet, dessen Glaube verkümmert. Oder können wir vielleicht sogar sagen: der verkümmert auch als Mensch?
Deshalb fordert uns Jesus immer wieder auf, zu beten: “Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt” (Lk 22,40). “Bittet, und es wird euch gegeben werden” (Mt 7,7, u.v.a.).
Christus ist zugleich das beste Vorbild eines Beters. Sein ganzes Leben war Gebet: Dialog mit dem Vater, Ausrichtung auf den Willen des Vaters. Immer wieder zieht er sich in die Einsamkeit oder auf den Berg zurück, um zu beten. Jede auch nur denkbare Situation findet sich in seinen Gebeten wieder: Jubel, Dank, Freude, Bitte. Aber auch Klage und Aufschrei: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt 27,46). An ihm wird deutlich, welche Spannweite das Gebet besitzen kann; welch ungeheure Nähe zu Gott, aber auch welche Verlassenheit. So ist sein Gebet Modell allen menschlichen Betens.
-Welche Schwierigkeiten haben Sie selbst beim Beten?
-Wogegen richtet sich die Kritik Jesu an Gebet und Gottesdienst? Untersuchen Sie einmal die folgenden Bibelstellen: Mt 21,12-17; Lk 18,9-14.
-Soll man nur beten, wenn es einen drängt? Was halten Sie von festen Gebetszeiten?
Stufen des Gebetes
Schweigen und Sammlung
Die meisten begehen beim Beten einen Fehler. Sie meinen, man müsse beim Gebet sofort sprechen. Und dann wundern sie sich, daß das Gebet nicht gelingt. Das Gebet beginnt nicht mit dem Reden, sondern mit dem Schweigen - und endet auch wieder im Schweigen.
Man kann nicht mitten aus einer anderen Beschäftigung heraus, vielleicht unmittelbar nach einem Ärger, auf einmal Gott loben. Wir sind heute viel zu gehetzt, zu nervös, um aus dieser Hetze unmittelbar auf ein Gespräch mit Gott umschalten zu können. - Eine Karawane war auf dem Marsch durch die Wüste. Eines Morgens werden die Europäer, die die Karawane gemietet haben, erst wach, als die Sonne schon hoch am Himmel steht. Sie finden die Lastträger und Treiber stumm im Kreis auf dem Boden sitzend. “Warum geht es nicht weiter, was ist los?” Erst nach einiger Zeit bequemt sich einer zu der Antwort: “Wir können nicht weiter. Wir müssen warten, bis unsere Seelen nachkommen.”
Wir sind nicht nur oft auf der Flucht vor Gott, wir laufen uns auch selbst davon. Wir sind - wie man sagt - “zerstreut”. Wir müssen uns also erst aus der Verflüchtigung sammeln, zu uns selbst kommen, konzentrieren. In das eigene Innerste gelangt man nicht, wenn man redet, sondern wenn man schweigt. Man gewinnt dadurch Tiefe; man erfährt, daß man mehr Mensch wird. - Und nur wer zu sich selbst kommt, kann dann auch zum anderen und schließlich zu Gott finden. Die Schwierigkeit mit dem Beten besteht nicht nur darin, daß uns Gott so fern scheint. Wir selbst sind uns manchmal ferner als der scheinbar so ferne Gott.
Vielen kostet es große Mühe, sich auch nur für Minuten zu sammeln. Manchmal möchte man schon nach einigen Minuten wieder aufspringen und in den alten Betrieb zurück. Man kann sich aber in die Stille einüben. Zunächst gilt es, das endlose Gerede und den Lärm von außen abzuwehren. Also eine ruhige Haltung einzunehmen, die Hände und den Blick ruhen zu lassen, abzuschalten. - Schwieriger ist es dann, die innere Unruhe der Gedanken zu glätten. Ein östlicher Weiser sagte einmal: “Die Stille ist nicht auf den Gipfeln der Berge, und der Lärm ist nicht auf den Märkten der Stadt, beides ist im Herzen des Menschen.” Solange ich die Stille noch als Leere empfinde und den Drang verspüre, etwas zu tun, bin ich noch nicht gesammelt.
Viele werden dadurch ruhig, daß sie sich auf ihren Atem konzentrieren. Die Erfahrungen östlicher Meditation können bei dem inneren Zur-Ruhe-Kommen sehr hilfreich sein. - Oder man sagt sich, daß jetzt alles andere unwichtig ist, daß man ganz und gar bei sich selbst und bei Gott sein will. In jedem Fall aber braucht es Zeit, um zur Ruhe zu kommen; und zwar ein Stück meiner besten und wertvollsten Zeit.
Stille und Sammlung sind die erste Stufe, die in das Gebet hineinführt. Sie können aber auch selbst schon ein tiefes und erfülltes Gebet sein.
Dem Pfarrer einer Pariser Kirche war ein Mann aufgefallen, der noch lange nach dem Gottesdienst still in der Bank sitzen blieb.
Er war so versunken, daß man nicht wußte, betet oder träumt er? Eines Tages stellte ihm der Pfarrer eine entsprechende Frage. Die Antwort: “Ich schweige und schaue. Ich bin da, und Gott sieht mich an. Das ist mein Gebet.”
Menschen, die sich gern haben, müssen nicht dauernd miteinander reden. Es genügt, daß sie sich einander nahe wissen. Im Gegenteil: Wenn uns jemand auffordert: “Nun sag doch was”, dann versagt uns erst recht die Sprache. Gott versteht auch unser Schweigen.
Hören
Vielen ist das Gebet deshalb verleidet, weil sie die Antwort Gottes vermissen. Sie gehen von der richtigen Voraussetzung aus, daß zum Gespräch zwei gehören. Daß also das Gebet nicht ein Monolog sein kann.
Viele Wissenschaftler nehmen an, daß es auf anderen Sternen intelligente Wesen gibt. Daher schickt man Radiowellen in den Weltraum und hofft, auf diese Weise irgendeinen Kontakt zu bekommen. Niemand aber weiß, ob diese Botschaft aufgefangen wird. Ist es nicht mit dem Gebet ähnlich? Wir schicken Worte des Lobes, des Dankes, der Klage und der Bitte in die Unendlichkeit. Aber auf welche Weise erfahren wir eine Antwort?
So sehr diese Schwierigkeit beeindruckt - könnte es nicht sein, daß der Ausgangspunkt falsch ist? Wir sollten nicht zuerst fragen, ob Gott uns hört, sondern ob wir auf Gott hören. Das erste Wort beim Gebet hat nicht der Beter, sondern Gott. Und er hat längst zu uns gesprochen. Nicht Gott antwortet im Gebet, sondern unser Gebet ist Antwort auf das, was Gott sagt. Am Anfang des Betens steht deshalb nach dem Stillwerden das Hören.
Sören Kierkegaard sagte von sich: “Als mein Gebet immer inniger wurde, da hatte ich immer weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich meinte zuerst, beten sei reden. Ich lernte aber, daß beten nicht bloß schweigen ist, sondern hören. So ist’s: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören; beten heißt, still werden und warten, bis der Betende Gott hört.”
Ja, aber spricht denn Gott wirklich zu mir? Oder bilde ich mir da nur etwas ein? Höre ich da nur das Echo meiner eigenen Wünsche?
Natürlich darf ich nicht das Sprechen Gottes als “wunderbare Stimme” oder als eine innere Erleuchtung erwarten. Gott spricht mich in allem an, was mir begegnet: in den Ereignissen und Erlebnissen dieses Tages, in einem Buch, einem Wort, einem Brief, in Stimmungen und Gefühlen, in Menschen, die mir begegnen, in der Zeitung ... Hören auf Gott heißt hinhören auf die eigene Situation, auf die Umstände der Zeit; auch auf die Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten des Alltags.
Es käme also darauf an, die Augen und Ohren offenzuhalten. Nichts ist so klein, daß es nicht in ein Gebet gehörte. Wir dürfen Gott nicht so sehr im Außergewöhnlichen suchen, wir müssen das Alltägliche auf Gott hin “abklopfen”. Der Glaube erfährt im Alltag nicht plötzlich andere Dinge, er erkennt aber dieselben Dinge anders. Er sieht sie in ihrer Beziehung zu Gott. Er weiß sich darin von Gott angesprochen.
Das eigentliche Wort Gottes aber an uns ist Jesus Christus. Am Anfang des Johannes-Evangeliums heißt es: “... und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.” In Jesus Christus hat sich Gott selbst ausgesprochen. Mein Gebet ist Antwort auf Jesu Reden und Handeln. Freilich darf ich die Bibel, die darüber berichtet, nicht wie ein Sachbuch lesen. Ich muß hinhören im Bewußtsein: Hier bist du selbst gemeint, hier spricht dich Gott an. Der Blinde, der Lahme, der Hungrige - das bin ich. Ein Gebet, das mit dem Hören beginnt, wird nie langweilig. Weil einem der Stoff zum Gebet nie ausgeht. Und weil ein solches Gebet mit dem Leben zu tun hat, weil ständig andere Situationen mich ansprechen.
Sprechen
Wenn der andere anfängt zu sprechen, fällt es uns meist leichter, uns selbst mitzuteilen, zu antworten. So gelingt auch das Sprechen mit Gott, wenn es aus dem Hören kommt. Wenn ich “angesprochen” bin, dann weiß ich auch etwas zu sagen.
Wie sieht das konkret aus? Wir suchen aus allem, das uns begegnet, den Anruf Gottes herauszuhören und darauf zu antworten. Am Morgen könnte ein solches Gebet lauten: “Herr, was willst du, daß ich heute tun soll?” Alles, was der Tag voraussichtlich bringen wird, nehme ich in den Blick und überlege, wie ich es im Sinne Jesu bewältigen kann. “Wie würdest du handeln?”
Ich nehme also gleichsam im Sinne einer “Vorausmeditation” ein Ereignis, einen Menschen schon vorher in meine Besinnung, mein Gebet hinein. Vielleicht werde ich dann später genau dasselbe sagen, was ich auch sonst gesagt hätte. Aber es wird wahrscheinlich anders gesagt. Und auch anders aufgenommen. Ob sich die kleine Pause dieser Besinnung, ob sich dieses Gebet dann nicht schon rein menschlich gelohnt hat?
Ich bin sicher, daß ein derartiges bewußtes Hineingehen in den Tag und in seine Situation diese und uns selbst verändert. Umgeworfen werden wir von Ereignissen meist, wenn sie uns überraschen. Wenn wir aber darauf vorbereitet sind, reagieren wir nicht so gereizt. So lebt das Gebet aus dem Alltag und der Alltag aus dem Gebet. Dann ist das Gebet auch keine Pflichtübung mehr, sondern etwas, das zur Lebensbewältigung hilft.
Ganz ähnlich sähe ein Abendgebet aus: Wir versuchen, aus der Distanz den ganzen Tag noch einmal zu überschauen, für das Gute Dank zu sagen. Wer zu danken vergißt, wird auf die Dauer unzufrieden. - Für das, was uns und andere bedrängt, was uns vielleicht aus dem Fernsehen und der Zeitung bekannt wurde, zu bitten. Gebet ist ein wirklicher Einsatz für die Welt und für die Menschen. - Und auch das Versagen wird nicht verdrängt, im Gegenteil. Alles lassen wir abklingen und fassen für den kommenden Tag einen besseren Weg ins Auge.
Einige Formen des Gebetes
Die Meditation
Für Jesus werden alle Dinge zum Gleichnis einer tieferen Wahrheit. Ein Schlüssel, ein Weg, ein Stein, das Wasser, die Saat, der Wind, die Vögel ... werden für ihn zu Bildern, die etwas aussagen über die Beziehung des Menschen zu Gott. Er selbst ist “der Weg”, der zum Ziel führt; Gottes belebende Kraft ist für den Menschen so lebenswichtig wie Wasser ...
Ebenso können wir uns heute von Gott in allen Dingen und Ereignissen ansprechen lassen. Vergleichen Sie, was zuvor über das Hören gesagt wurde.
Die religiöse Meditation ist ein verweilendes Gebet ohne viele Worte. Ausgangspunkt sind wiederum die Stille und die Sammlung. Gelegentlich wird Gebet beschrieben als “Begegnung mit Gott”. Wenn wir einem Freund begegnen, reden wir auch nicht ununterbrochen auf ihn ein. Es genügt uns, mit ihm zusammen zu sein. So machen wir uns in der religiösen Meditation bewußt, daß Gott uns nahe ist. Wir lassen uns von ihm ansprechen.
Gut eignen sich dazu biblische Ereignisse. Beispielsweise die Heilung des Taubstummen (Mk 7,31 ff.). Ich versuche, mit dem inneren Auge die Szene zu betrachten (daher auch das Wort “Betrachtung” für die Vorstufe der Meditation). Ich mische mich gleichsam unter die Beteiligten, werde selbst zum Taubstummen, der von seiner inneren Taubheit und Stummheit befreit werden möchte: von meiner T a u b h e i t z.B. gegenüber dem Wort Gottes, gegenüber der Not und dem Anspruch der Mitmenschen (wie oft hören Eltern und Gatten nicht, daß die Kinder oder der Partner mehr sagen möchten, als in ihren Worten zum Ausdruck kommt!); von meiner S t u m m h e i t , wenn es um das Zeugnis des Glaubens, um Protest gegen Unrecht und Gewalt, um schuldigen Dank ... geht. Eine solche Meditation kann dann übergehen in die Bitte um Offenheit für alles, was uns umgibt.
Gebet aus dem Augenblick
Sie werden vielleicht sagen: Um so gesammelt beten zu können, braucht es eine Menge Vorbedingungen. Was mache ich aber, wenn mich eine Sache innerlich so beschäftigt, daß ich mich trotz aller Mühe davon nicht freimachen kann. Wenn mir schon die Stille und die Sammlung unmöglich wird. Soll ich dann das Gebet lieber lassen, bis wieder günstigere Voraussetzungen gegeben sind?
Das könnte unter Umständen sehr lange dauern. In diesem Fall wählt man eine andere Art des Gebetes. Es wäre ein Krampf, unmittelbar aus einem menschlichen Ärger heraus in das Gotteslob umschalten zu wollen. In dieser Situation sind aber oft auch das Schweigen und das Hören unmöglich. Sie werden dann ersetzt durch die Spontaneität. Ich beginne, das mit Gott zu besprechen, was mich an Freude oder Trauer, an Ärger oder Angst gerade nicht loslassen will. “Gott, das beschäftigt mich im Augenblick. Was meinst du dazu? Vielleicht ist es falsch, daß ich davon nicht loskomme. Aber so bin ich. Ich möchte deshalb mit dir über diesen Ärger, diese Freude sprechen ...” Das alles ist bereits Gebet. Aus dem Gebetbuch des eigenen Herzens. Für diese Art des Betens braucht es so gut wie keine Vorbereitung.
Es ist das Gebet des gehetzten Menschen. Dadurch, daß Gott zwischen diese Erregung und mich tritt, gewinne ich Abstand von der Sache, die mich so sehr beschäftigt. Aus dieser Distanz aber bekommt manches einen anderen Stellenwert. Vieles, was mir vorher noch “unendlich wichtig” schien, verliert an Bedeutung. Ich sehe alles ruhiger, und das verändert mich.
Eine Mutter hat Ärger mit den Kindern. Sie ist erregt und reagiert ungerecht. Sie findet aber die Kraft, sich kurz zurückzuziehen und zu besinnen: “Gott, ich habe mich nicht mehr in der Gewalt. Hilf mir, daß ich zur Ruhe komme und wieder gerecht reagiere.” - Verlorene Zeit? Nach den zwei Minuten hat Klaus wieder eine Mutter, von der er sich verstanden weiß.
Was halten Sie von dem folgenden Gebet:
Es hat jemand Skat gespielt und will nun sein Abendgebet anschließen. Natürlich geht ihm die “Partie” nicht aus dem Kopf. Gut, dann soll sie ihm eben beim Gebet helfen. War nicht der Tag auch so ein Kartenspiel, gemischt aus 24 verschiedenen Stunden? Welche Partie habe ich heute gespielt? Kreuz? Vielleicht habe ich heute alles Schwere, das auf mich zukam, “gedrückt” (so heißt es beim Kartenspiel, wenn man die am wenigsten brauchbaren Karten ablegt). Wie war es mit “Herz”? Fehlte das Herz in meinem Tag? “Schippen” mag als Symbol der Arbeit gelten. Wie habe ich die heute erledigt? Und “Karo”, sagen wir “Eckstein”, erinnert mich vielleicht daran, daß sich womöglich mancher heute an mir stoßen mußte, weil ich zu ungehobelt und eckig war. - Aufs Ganze gesehen: Habe ich heute gewonnen oder verloren? Vielleicht geht mir jetzt erst auf, daß ich heute nur recht wertlose Karten in der Hand hatte. Karten, die - zumindest vor Gott - nicht zählen. Der Skatspieler würde in diesem Fall eine Null-ouvert spielen, also die Karten aufdecken. Also will ich das auch tun: “Schau her, Gott, alles wertlos, was ich dir heute zu bringen habe. Aber morgen soll es besser werden.”
Ob dieses Abendgebet nicht einen “verlorenen Tag” noch wieder aufwerten könnte? Es ist schon mancher Null-ouvert gewonnen worden!
Gebet nach Vorlage
Wenn auch das “Gebet aus dem Augenblick” nicht gelingen will, weil man ganz leer ist, dann greift man am besten nach vorformulierten Gebeten in einem Gebetbuch. So haben andere beten können, vielleicht werden wir davon angeregt.
Wir haben glücklicherweise ein Gebet, das uns Christus selbst gelehrt hat. Auf die Bitte der Jünger hin “Herr, lehre uns beten”, lehrte er sie das Vaterunser:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Diesem Gebet, wie es Jesus gelehrt hat, wurde der Lobspruch angefügt, der schließlich auch in spätere Bibeltexte Eingang fand und heute von allen Christen gemeinsam gebetet wird: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Und die Erhörung?
Manchmal hört man: “Ich habe gebetet, aber es hat nichts genützt.” Was soll man dazu sagen? Hinter dem Einwand steht die falsche Erwartung: Beim Gebet müsse wie bei einem Automaten die Erhörung sofort herauskommen. Als ob wir immer genau wüßten, was uns “von Nutzen” ist!
Es kann nicht darum gehen, beim Gebet seinen Willen durchsetzen zu wollen. Christus betete am Vorabend seines Leidens: “Vater, wenn du willst, laß diesen Kelch (des Leidens) an mir vorübergehen. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe (vgl. Lk 22,42). Wenn der Mensch betet, läßt er sich auf einen Prozeß ein. Im Glauben sieht er die größere Einsicht Gottes und seine Liebe, und dadurch wandeln sich unter Umständen seine eigenen Vorstellungen und Wünsche. Er geht anders aus dem Gebet heraus, als er hineingegangen ist. Dennoch aber dürfen wir im Gebet um das, was uns wichtig scheint, mit Gott ringen.
Nur dem Gebet, das aus dem Glauben kommt, ist Erhörung zugesagt. Unzählige Menschen haben diese Erhörung erfahren.
Quelle: Eine katholische Glaubensinformation (kgi)
März 2008
Von:
„Vom Tod zum Leben“ oder: „Auferstehung mitten am Tag“
Wann ist Ostern, das Fest der Auferstehung Christi? Am dritten Tag nach dem Karfreitag. Stimmt das für uns alle? Eine Statistik der „Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland“ sagt: 54 Prozent der deutschen Katholiken und 72 Prozent der deutschen Protestanten glauben nicht an die Auferstehung. Lassen Sie mich Ihnen heute eine erweiterte Deutung von Auferstehung zeigen.
Auferstehung bedeutet das ewige Leben für uns alle, aber auch ein mögliches neues Leben in jedem Augenblick.
Eine meiner liebsten Ostergeschichten handelt von Jesus und Maria aus Magdala. Maria, so heißt es im Evangelium, sei nach Jesu Tod frühmorgens zu seinem Grab gegangen. Für sie hatte das Leben den Sinn verloren. Eine solche Trauer und Armut „zwingt“ Christus, sich ihr zu zeigen. Es wird für Maria d i e große Wende: vom Tod zum Leben, von der Tränenblindheit zu einer neuen Sicht. Sie sieht Jesus, erkennt ihn jedoch nicht.
„Maria“, sagt Jesus. Nur dieses eine Wort öffnet sanft ihr Herz. Eine der zärtlichsten Stellen im Neuen Testament. Maria wendet sich Jesus zu und antwortet auf diese Liebe: „Mein Meister!“ Welch eine innige Begegnung, in der in zwei Worten eine ganze Beziehung aufleuchtet. Wer möchte diese zärtliche Nähe und Geborgenheit nicht festhalten, gerade vor dem Hintergrund von soviel Leid, Tränen, Hoffnungslosigkeit und Tod?
Hier ist etwas einmalig Tröstendes geschehen, das Maria bis in die Tiefe ihrer Seele erreicht hat. Auch für Maria beginnt in diesem Moment ein neues Leben.
Manchmal sehe ich diese Maria vor meinem „inneren Auge”, wie sie die Botschaft vom Leben hüpfend und tanzend weg trägt vom Grab über den Graben einer bald 2000-jährigen Geschichte. Dann stell ich mir vor, ich wäre ihr begegnet, sie hätte mir ihr „Er lebt!“ ins zweifelnde Herz gelacht und ihr frohes Lebenslied gejubelt. Und ich spüre, wie ihr unwiderstehlich strahlender Blick durch Angst und Zweifel hindurch, mich leise mit Hoffnung ansteckt. Ich möchte von dieser Maria lernen. Wenn ich Schritte hinter mir höre, will ich mich umwenden wie sie. Es könnte Jesus sein, der mich grüßt und mich erinnert, dass mit seiner Auferstehung auch mein Leben Zukunft hat, egal, wie verfahren die Situation manchmal auch ist.
In einem Gedicht von Marie Luise Kaschnitz heißt es: „Manchmal stehen wir auf, stehen wir zur Auferstehung auf, mitten am Tage, mit unserem lebendigen Haar, mit unserer atmenden Haut.“ Eine solche beglückende „österliche“ Erfahrung von der „Auferstehung mitten am Tag“, die einbricht in unseren Alltag, in unser Leben, ins Hier und Jetzt, wie eine strahlend aufgehende Sonne am Ostermorgen, die wünsche ich uns allen.
Matthias G.-Hagenhoff, Pellworm
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Ostermorgen
Mir ist ein Stein
vom Herzen genommen:
meine Hoffnung
die ich begrub
ist auferstanden
wie er gesagt hat
er lebt er lebt
er geht mir voraus!
Ich fragte:
Wer wird mir
den Stein wegwälzen
von dem Grab
meiner Hoffnung
den Stein
von meinem Herzen
diesen schweren Stein?
Mir ist ein Stein
vom Herzen genommen:
meine Hoffnung
die ich begrub
ist auferstanden
wie er gesagt hat
er lebt er lebt
er geht mir voraus!
Lothar Zenetti
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Zeige mir Gott
Deine Wege
lehre mich Gott
in die Tiefe zu gehen
und bis auf den Grund
meines Lebens zu sehen
Öffne mir immer wieder die Augen Gott
lass mich nicht vergessen dass ich sterben werde
nicht mehr bin als ein kostbarer Tropfen
im Strom Deiner Unendlichkeit
Immer wieder verlasse ich dich Gott
immer wieder gehe ich in die falsche Richtung
verliere mich im Strudel meiner Sorgen und Pläne
Du aber bist größer als meine Berechnungen Gott
Du bist weiter als alles was ich denken kann
Was nützen mir alle Erfolge
und was helfen mir die klügsten Pläne
wenn ich Deine Nähe nicht mehr spüre Gott
wenn Du dich von mir abwendest
Du allein
sollst meine Heimat sein Gott
zu Dir unterwegs will ich sein
und doch fest auf der Erde
Carola Moosbach
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Rückblickend auf meinen Tag
stelle ich fest
heute keinen Vogel gehört zu haben
es hat mit Sicherheit
nicht an den Vögeln gelegen
Andrea Schwarz
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Jesus, der Freund!
In der „Versöhnungskirche“ von Taizé, Frankreich, wo ich schon mehrere Male mit Religionsklassen an den Europäischen Jugendtreffen der ökumenischen Brüdergemeinschaft teilnehmen durfte, gibt es eine wunderschöne koptische Ikone aus dem 6./7. Jahrhundert, und zwar Jesus als FREUND! Die Abbildung stammt aus Ägypten und befindet sich heute im Louvre Museum in Paris. Die Beschriftung verrät, WER hier dargestellt ist: Links der heilige Abt Menas („Vater Menas, Wächter“) und rechts Jesus Christus, der Retter („Soter“, erkennbar am Kreuz-Heiligenschein). Der Heilige Menas war erst Soldat, dann Abt des Klosters Bawit in Ägypten. Er starb 296 als Märtyrer. Christus hält in der linken Hand das Evangeliar, die rechte Hand legt er seinem Freund und Zeugen liebevoll über die Schulter und begleitet ihn auf dem Lebensweg.
In Taizé, wo diese Ikone besonders beliebt ist, hat man sich angewöhnt, an der Stelle des Heiligen Menas JEDEN VON UNS zu sehen. In den kommenden Monaten werden mehrere Kopien der „Ikone der Freundschaft“ durch die Staaten Europas auf den „Pilgerweg des Vertrauens“ gehen, um zum Jahresende in Brüssel einzutreffen, wo das nächste Europäische Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taizè stattfinden wird.
Das mittelhochdeutsche Wort „vriunt“ bedeutet nicht nur „Freund“, sondern auch „Geliebter“, „Verwandter“. Im Johannesevangelium (Joh 15,15-16) nennt Jesus seine Jünger im Moment des Abschieds seine FREUNDE. Wie können Sie, wie können wir, diese Freundschaft hier und heute erfahren? Als Auferstandener ist uns Christus unsichtbar ganz nah. Wir dürfen uns seiner heilenden Nähe anvertrauen. Wenn wir sie spüren, -gleichsam die zärtliche Hand Jesu auf unserer Schulter fühlen-, dann ist das die Wirkung des Heiligen Geistes. Er hält die Verbindung zu Jesus in uns lebendig. Die Betrachtung dieser Ikone kann bereits ein Gebet sein, das uns mit Gott vereint. Selbst wenn unser Glaube ganz gering ist, selbst wenn wir den Eindruck haben, dass der Zweifel in uns stärker ist. Gott hört nicht auf, unsere Freundschaft immer wieder neu zu suchen. Diese Freundschaft leben wir auch untereinander. Christus vereint uns in der Gemeinschaft der Kirche. Wenn uns bewusst wird, welche Freundschaft Gott für jeden von uns empfindet, schöpfen wir neue Zuversicht, uns mit Menschen anzufreunden, die uns anvertraut sind, insbesondere den verletzlichsten, verlassensten Menschen. Ich wünsche uns Augenblicke heilender Nähe, dann, wenn wir sie brauchen. Und ich wünsche uns die liebende Erfahrung der Nähe Gottes, die die Nähe zu Christus schenkt und Jesus als Freund, der seine schützende Hand zärtlich auf unsere Schulter legt.
Matthias G.-Hagenhoff
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Suche und bringe Sonne
Suche und bringe Sonne
Geht es dir gut? Bist du glücklich?
Sitzt du in der Sonne?
Dann denk an andere und gönn ihnen ihr Plätzchen in der Sonne.
Denn wir dürfen nicht vergessen:
Auch unsere Nachbarn, unsere Konkurrenten,
selbst unsere Feinde haben ein Recht
auf ein bisschen Sonne, auf Freude
und eine Handvoll Glück im Leben.
Darum: Alle Menschen gehören in die Sonne.
Werfen wir anderen niemals Steine in den Weg
und Knüppel zwischen die Beine,
wenn sie nach ein wenig Sonne suchen.
In den Herzen vieler Menschen ist es viel zu finster.
Bring Sonne in deine Familie,
in deine Straße, dein Dorf oder deine Stadt.
Bring Sonne den Hinfälligen, den Kranken,
den Armen und den Heruntergekommenen,
die immer im Schatten sitzen.
Aber Sonne kannst du nur bringen,
wenn du liebst.
Mit der Liebe geht die Sonne auf
in deinem Herzen.
Ohne Liebe geht sie unter.
Phil Bosmans
Februar 2008
Von:
Was bedeutet Fasten?
Die meisten würden spontan darauf sagen: weniger essen, weniger rauchen, weniger … Ist also die Fastenzeit eine Zeit, vor der ein kräftiges und vielfaches "Minus-Zeichen" steht?
Dabei kommt unser Wort "Fasten" von "fest", festmachen, Stand und Halt gewinnen (es hat also viel mit dem englischen "fasten" = befestigen zu tun).
Fasten meint: Zum Wesentlichen kommen, zu sich selbst finden, die eigene Lebenswahrheit freilegen (und Selbsttäuschungen durchschauen), wissen, worauf es ankommt, dem Entscheidenden wieder mehr Gewicht geben, das Zentrale vom Peripheren zu unterscheiden, sich nicht verzetteln und nicht verlieren: Gewiss, auch auf ein paar Dinge verzichten. Und doch ist Fasten kein Verlustgeschäft, sondern ein kräftiges Plus, ein persönlicher Gewinn.
Was dazu helfen kann? Besinnung, Gebet, ein Buch als Begleiter oder einfach die Bibel. Man kann sich bewusst um Freundlichkeit, Großzügigkeit und überhaupt eine positive Einstellung bemühen. Freilich, die Fastenzeit dauert nicht das ganze Jahr. Irgendwo muss man einen Anfang machen, damit man nicht eine Chance ungenützt verstreichen lässt.
Alfons Riedl
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Ich bin vergnügt
erlöst
befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Traurigkeit
Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich
Was macht dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen
Was macht dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohlüber alle Welt
Hanns Dieter Hüsch
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Der Humor
ist gewachsen in der irdischen
Unvollkommenheit und ist erblüht in der
Liebe zur Welt. Er weiß um das Kleine und
um das Große. Er ist frei genug, um sich nicht
mehr am Kleinen zu ärgern. Welch ein Mangel
an Glauben wäre es, zu meinen, dieses kribbelnde
Irren und Wirren der Menschen könne die große
Ordnung stören! Man darf das alles nicht so
wichtig nehmen. Erst dann wird man fähig,
auf das, was der Himmel uns schickt,
so zu antworten, wie er es will:
gelassen, im Grunde heiter,
im letzten vertrauend.
Heinrich Lützeler
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Karneval - die Zeit der Narren, Gaukler, Possenreißer. Zeit, in ein anderes Kleid zu schlüpfen oder sich hinter einer Maske zu verstecken: Wer bin ich wirklich? Wer möchte ich eigentlich sein?
Die Karnevalszeit ist eine wunderbare Zeit des Feierns und der unbeschwerten Fröhlichkeit. Wir können neue Rollen ausprobieren und unser Gesicht hinter einer Maske verstecken.
Wer aber sind wir im Alltag?
Udo Jürgens singt:
„Das ganze Leben wie ein Maskentanz
auf Eis, das niemals taut ...
Was kann uns befrei'n?
Lüge hilft uns nicht.
Reiß' die Schleier ein.
Zeig' mir dein Gesicht.
Masken - Ich seh' Masken.
Schnee auf den Gefühlen.
Masken - nichts als Masken.
Bild der Einsamkeit.
Masken - alles Masken.
Herzen ohne Seelen.
Masken - ich seh' Masken.
Lieben ohne Zeit.“
Könnte nicht gerade die Maskerade im Karneval Anstoß sein, im Alltag unser Gesicht zu zeigen, mit all dem, was zu uns gehört: Lachen und Weinen, Fröhlichkeit und Traurigkeit, Sehnsüchte und Enttäuschungen, Zuversicht und Angst? Es gäbe uns die Möglichkeit, einander neu zu begegnen: ehrlicher, offener und authentischer.
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Wer ist der grösste Narr?
Es gibt eine alte Geschichte von einem König, der sich nach der Sitte der Zeit einen Hofnarren hielt. Diese Narren hatten das Recht, den Königen und Fürsten die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter war.
War sie zu bitter, dann hieß es einfach: "Er ist halt ein Narr!"
Eines Tages schenkte der König seinem Hofnarren einen goldenen Narrenstab mit Glöckchen daran und sagte: "Du bist gewiss der größte Narr, den es gibt. Solltest du jemals einen treffen, der noch närrischer ist als du, dann gib ihm diesen Stab weiter."
Jahrelang trug der Narr den Stab.
Eines Tages erfuhr der Narr, dass der König im Sterben liegt.
Da hüpfte er in das Krankenzimmer und sagte: "König, ich höre, du willst eine große Reise antreten."
"Ich will nicht", erwiderte der König, "ich muss!"
"Oh, du musst? Gibt es also doch eine Macht, die noch über den Großen der Erde steht. Nun wohl! Aber du wirst sicher bald wieder zurückkommen?"
"Nein!" ächzte der König. "Von dem Land, in das ich reise, kehrt man nicht zurück."
"Nun, nun", meinte der Narr begütigend, "gewiss hast du diese Reise seit langem vorbereitet. Ich denke, du hast dafür gesorgt, dass du in dem Land, von dem man nicht zurückkommt, königlich aufgenommen wirst."
Der König schüttelte den Kopf. "Das habe ich versäumt. Ich hatte nie Zeit, diese Reise vorzubereiten."
"Oh, dann hast du sicher nicht gewusst, dass du diese Reise einmal antreten musst."
"Gewusst habe ich es schon. Aber - wie gesagt - keine Zeit gehabt, mich um die rechte Vorbereitung zu kümmern."
Da legte der Narr leise seinen Stab auf das Bett des Königs und sagte:
"Du hast mir befohlen, diesen Stab weiterzugeben an den, der noch närrischer ist als ich. König! Nimm den Stab! Du hast gewusst, dass du in die Ewigkeit musst und dass man von da nicht zurückkommt. Und doch hast du nicht Sorge getragen, dass dir die ewigen Wohnungen geöffnet werden. König! Du bist der größte Narr!"
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Das Glück von Swabedu
In einem fernen Land gab es ein friedliches Dorf, das man Swabedu nannte. Dieses Dorf war nicht nur wunderschön und blitzsauber, seine Bewohner waren meist auch von aussergewöhnlicher Höflichkeit. Wenn sie sich trafen, begrüssten sie einander mit einem Lächeln. Fanden sie Zeit zu einem Schwätzchen, so fragten sie zunächst nach dem Befinden des anderen und überreichten dann ein kleines Stückchen Fell.
Viele Jahre lebten so die Bewohner in Glück und Harmonie. Freude und Leid wurden gemeinsam getragen, keiner verschloss nachts seine Haustür und jeder half dem Nächsten, wenn Krankheit oder Tod eine Familie heimsuchten.
Aber unweit vom Dorf hauste ein furchterregender Kobold, ein böser Geist. Keiner wollte mit diesem schrecklichen Kerl in Verbindung treten; alle hatten Angst. Doch die Einwohner überlegten hin und her, wie man auch mit diesem Kobold Freundschaft schliessen könnte.
Schliesslich fand sich ein kleiner, mutiger Junge, der sich anbot, den bösen Geist in seiner Höhle am Berghang zu besuchen. Viele Freunde gaben dem Jungen das Geleit, aber die letzten tausend Schritte musste er alleine gehen.
Der Junge gelangte an den Eingang der Höhle. Der Kobold fuhr ihn heftig an: "Was willst Du hier?" Der Kleine nahm seinen ganzen Mut zusammen: "Ich heisse Stefan und bin 12 Jahre alt. Ich möchte Dich fragen, wie es Dir geht. Bei uns schenkt man einander, wenn man sich begegnet, ein Stück Fell, um zu zeigen, dass man sich lieb hat! Ich habe Dich gern und hier ist ein Fellchen, dass ich Dir schenken möchte. Bitte nimm es an!"
Der Kobold wusste nicht, was er antworten sollte. Umständlich nahm er das Stück Fell in die Hand, prüfte es und wollte es achtlos in die Höhle werfen, aber es blieb an seiner Hand haften. So überlegte er, wie er den Dorfleuten einen Streich spielen könnte. Er sagte zu dem Jungen: "Das ist doch alles blödes Zeugs mit Eurer unnötigen Schenkerei. Wenn Du immer Deine Fellchen verschenkst, wirst Du nachher selbst keine mehr haben, dummer Junge!"
Mit diesen Worten schob der Kobold den Jungen aus der Höhle. Dieser murmelte erschrocken einen Abschiedsgruss und lief dann, so schnell ihn seine Füsse tragen konnten, zurück zu seinen wartenden Freunden.
Der tapfere Junge wurde von seinen Freunden staunend empfangen; er musste immer wieder von seiner Begegnung mit dem bösen Geist erzählen und von allem, was dieser geantwortet hatte. Schliesslich war das ganze Dorf auf dem Marktplatz versammelt. Doch manche gaben sogar dem Kobold recht, denn einige Dorfbewohner hatten nur noch wenige Fellchen, andere dagegen sehr viele. Es war wie immer im Leben: einige waren recht geizig, andere sehr grosszügig; manche vergassen einfach, die Fellchen von zu Hause mitzunehmen oder waren die gute Gewohnheit leid.
Unbemerkt war der Kobold dem Jungen ins Dorf gefolgt. Die Swabedudas erschraken zu Tode, als sie den bösen Geist in ihrer Mitte sahen. In die Stille hinein rief der Kobold: "Ihr seid ja strohdumm! Warum wollt Ihr immer die kostbaren Fellchen verschenken? Nehmt doch einfach die kleinen Steine, die hier überall herumliegen. Hiervon gibt es immer genug und keiner hat zuviel davon zu Hause liegen!"
Die meisten Leute fanden diese Idee so grossartig, dass sie sich schnell einigten, in Zukunft so zu verfahren. Nun begannen sie, kleine Steinchen zu sammeln. Bei einer Begrüssung verschenkte man diese dann. Die Fellchen waren bald vergessen.
Aber mit der Zeit nahm die Freundlichkeit immer mehr ab. Man entdeckte, dass man mit den Steinen auch werfen konnte. Man gab sich auch nicht mehr die Mühe, kleine Steinchen zu suchen, sondern griff auch zu grösseren und schwereren Steinen.
Aus der früher so fröhlichen Begrüssung mit den weichen Fellchen wurden jetzt Begegnungen voller Misstrauen, Man fürchtete sich immer mehr voreinander und war nie sicher, ob nicht ein grosser Stein geflogen kam. Das einst so fröhliche Swabedu versank in Angst und Feindschaft.
Eines Tages kam ein weiser Mann auf seiner Pilgerreise zur schönen Barockkirche durch das Dorf. Er klopfe an die erste Haustür und bat um einen Becher Wasser. Es war das Haus einer alten Dame, die aber mutterseelenallein wohnte.
Sie reichte dem frommen Pilger nicht Wasser, sondern Milch, Brot und Schinken. Die Grossmutter war froh, wieder mit jemandem sprechen zu können und so erzählte sie von dem fröhlichen Dorf, das durch den Ratschlag des bösen Geistes in die Irre geleitet wurde.
Der Pilger ging von Haus zu Haus und bat alle Bewohner, auf den Marktplatz zu kommen. "Warum begrüsst Ihr Euch nicht wie früher mit Fröhlichkeit, Anteilnahme und den seidenen Fellstückchen?" Die Swabedudas sagten, dass sie Angst um ihre Fellchen hätten: Einige hatten nur noch wenige Stücke, andere dagegen über hundert. Niemand wollte riskieren, vor lauter Grosszügigkeit alle Fellchen zu verlieren! Da bat der fromme Mann alle, nach Hause zu gehen und ihre Fellchen zu holen. Wer nur drei hatte, holte diese voll glänzender Fellchen.
"Das reicht doch!" sagte der Pilger: "In Zukunft grüsst Ihr Euch wieder in alter Freundschaft. Wer ein Fellchen bekommt, gibt auch eins. Wer seine Fellchen vergisst, läuft nach Hause und holt sie. So hat keiner mehr als die anderen und so werdet Ihr wieder in Frieden miteinander leben können."
Als alle Fellstückchen vor dem Pilger lagen, mussten die Bewohner einen grossen Kreis bilden und sich je ein Fellchen abholen. Als der Kreis sich einmal gedreht hatte, begannen die Swabedudas, sich wieder anzulächeln. Beim dritten Kreis fing jemand an zu singen und bald sang das ganze Dorf zusammen wie in alten Zeiten.
Als die letzten Fellchen verteilt waren, wurde es bereits dunkel. Alle eilten zu den leeren Körben zurück, um dem weisen Mann zu danken und ihm ein Nachtquartier anzubieten.
Aber soviel sie auch suchten, sie fanden den Pilger nicht. Da erkannten sie, dass der Weise vom Himmel geschickt worden war, um den Frieden wieder in ihr Dorf zu bringen. Sie lobten Gott und versprachen, sich immer freundlich und hilfsbereit zu begegnen und ein Fellchen zu verschenken!
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Beweine ...
Beweine nicht die Rhythmen
die scheinbar verloren gehen:
Rhythmen der Winde, der Gewässer,
das Rauschen der Bäume,
den Gesang der Vögel, der Bewegung
der Sterne,
der Schritte der Menschen.
Es gibt immer einen Musikanten
oder einen Dichter
oder einen Tänzer
oder einen Narren
oder einen Heiligen
der vom Göttlichen den Auftrag hat
die flüchtigen Rhythmen, die verloren
gehen könnten,
einzufangen!
Ernesto Cardenal
Januar 2008
Von:
Ein neuer Anfang
Alles was zu Ende geht,
bietet gleichzeitig einen
neuen Anfang,
wie jede endende Nacht
einen neuen Morgen schenkt.
Annegret Kronenberg
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Neujahrswunsch
Meine guten Wünsche lege ich dir
ins Gedächtnis des Herzens, damit
sie dein Denken und Fühlen
berühren und erfüllen.
Meine guten Wünsche flüstere ich dir
in beide Ohren, damit sie dich trösten
und ermutigen in den Stunden der Not,
der Mühsal und der schweren Sorge.
Meine guten Wünsche singe ich dir
als Morgen- und Abendlied, damit
sie dich Tag und Nacht begleiten,
so wie die Treue deines Schutzengels.
Meine guten Wünsche gebe ich dir
mit auf den Weg als Segen, damit
du bewahrt bleibst an Seele und Leib
vor den bösen Mächten dieser Welt.
Meine guten Wünsche schicke ich dir
als Gebet in den Himmel, damit dein
Gott auch in Zukunft bestens für dich
sorgt und dir weiterhin den Rücken stärkt.
Paul Weismantel
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Desiderata, 1692
Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast, und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Vertrage dich mit allen Menschen, möglichst ohne dich ihnen auszuliefern. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar, und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen. Für den Geist sind sie eine Qual. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir wichtig vorkommen, denn es wird immer Menschen geben, die größer oder geringer sind als du. Freue dich deiner Leistungen wie auch deiner Pläne.
Bleibe weiter an deinem eigenen Weg (deiner Arbeit) interessiert, wie bescheiden er auch sei. Im wechselnden Glück der Zeiten ist er ein echter Besitz. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lasse Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Doch das soll dich nicht blind machen für vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen bemühen sich, hohen Idealen zu folgen, und überall ist das Leben voller Heldenmut.
Sei du selbst. Vor allem heuchle nicht Zuneigung. Und sei, was die Liebe anlangt, nicht zynisch. Denn trotz aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch ewig wie das Gras.
Nimm freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre an, und gib mit Würde die Dinge der Jugend auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er dich bei unvorhergesehenem Unglück schütze. Aber quäle dich nicht mit Gedanken. Viele Ängste kommen aus Ermüdung und Einsamkeit. Neben einem gesunden Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir.
Du bist nicht weniger ein Kind des Universums als es die Bäume und die Sterne sind. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und, ob dies dir klar ist oder nicht: Kein Zweifel besteht, dass das Universum sich so entfaltet, wie es sich entfalten soll.
Darum lebe in Frieden mit Gott, wie auch immer du IHN verstehst. Was auch immer dein Mühen und dein Sehnen ist: Halte in der lärmenden Wirrnis des Lebens mit deiner Seele Frieden. Trotz aller Falschheit, trotz aller Mühsal und all der zerbrochenen Träume ist es dennoch eine schöne Welt.
Sei vorsichtig und strebe danach, glücklich zu sein.
(Die Desiderata, auch als Lebensregel von Baltimore bezeichnet, ist ein Gedicht zum Thema „So führst du ein glückliches Leben“.Es wurde 1927 von Max Ehrmann (1872–1945), einem Rechtsanwalt aus Terre Haute (Indiana), USA verfasst.
Wörtlich bedeutet der Titel (von lat. desiderare, „ersehnen“, „wünschen“) etwa (Segens)wünsche.)
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Die Stille
Das Herz - es spürt nun Stille,
die Seele tritt hinzu,
der eigne starke Wille -
er bettet sich zur Ruh.
Man lässt den Lärm verklingen,
die Ruhe zieht sanft ein,
als wenn leis Harfen klingen
entfernt von diesem Sein.
Man ist kein irdisch Teil,
entfernt sich von der Welt,
verliert die Hast und Eil',
denkt nicht an Ruhm und Geld.
Man spürt jetzt seine Sinne,
erlebt des Lebens Ziel,
auf dass man nur gewinne
sein Ich - man braucht nicht viel.
Das Ganze nun von Zeit zu Zeit
ins Leben einbezogen,
macht unsre Seele klar und weit,
biegt grad - was arg verbogen.
Klaus Ender
(gefunden unter:
http://astraryllis.blogspot.com)
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Wenn alle Türen geschlossen
und die Fenster verdunkelt sind,
darfst du nicht glauben,
allein zu sein.
Denn Gott ist bei dir
und dein Schutzengel.
Und weshalb sollten sie
Licht brauchen,
um zu sehen,
was du tust?
Epiktet (um 50-138)
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Wenn es nur einmal so ganz stille wäre
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.
Rainer Maria Rilke,
Das Stundenbuch, Das Buch vom mönchischen Leben
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„Wir müssen das Alltägliche in Poesie verwandeln."
Robert Stern
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Wunder Kind
Manchmal erfasst mich, wenn ich um mich blicke, ein Gefühl tiefster Bestürzung. Denn in der Verwirrung, die heute über der Welt liegt, erkenne ich eine Missachtung der wesentlichen Werte des Lebens. In jeder Sekunde leben wir in einem neuen Augenblick des Universums, einem Augenblick, der noch nie da war und nie wieder sein wird.
Und was bringen wir unseren Kindern in der Schule bei? Dass zweimal zwei vier ist, und dass die Hauptstadt von Frankreich Paris heißt.
Wann werden wir ihnen darüber hinaus beibringen, was sie sind? Wir müssten jedem einzelnen von ihnen sagen: Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder, du bist einzig in Deiner Art. Auf der ganzen Welt gibt es kein anderes Kind, das dir genau gleich käme; in den Millionen Jahren, die hinter uns liegen, hat es noch nie ein Kind wie dich gegeben. Und sieh dir deinen Körper an, was für ein Wunder der ist - deine Beine, deine Arme, deine geschickten Finger, deine Bewegungen.
Du kannst ein Shakespeare werden, ein Michelangelo oder ein Beethoven. Du hast in dir alle Möglichkeiten, ja, du bist ein Wunder, und wenn du einmal groß bist, kannst du dann einem anderen Wesen Schaden zufügen, das genau wie du ein Wunder ist?
Du musst tun, was du kannst, wir alle müssen tun, was wir können, damit diese Welt ihrer Kinder würdig wird.
Glenn Gould (kanadischer Pianist des 20. Jahrhunderts
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Ich trete hinaus
in den Garten.
Ich höre die Stille ringsum.
Bäume und Sträucher blattlos.
Blumen blütenlos.
Um mich Kälte und Schweigen.
Eine Vision steigt in mir auf.
Mein Garten im Frühjahr:
Zauber des Grüns,
knospentreibend,
blütenfarbener Teppich.
Hier und jetzt Winterstarre.
Ich halte stand.
Gesegnet die Stille heute!
Gesegnet das aufsprühende Leben morgen!
Gesegnet beides in mir!
Hanna Strack
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