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Dezember 2009
Der Advent (die Ankunft des Herrn) ist nicht nur
ein Thema der Wochen vor Weihnachten,
sondern ein immer gültiges Merkmal
des irdischen Lebens und christlicher Existenz.
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Die Erinnerung an das längst vergangene Ereignis der Geburt Jesu und der Ausblick auf seine Wiederkunft sind der Rahmen unseres Lebens. Dieser Rahmen bewahrt uns vor einer seligen Rückschau genauso wie vor einem weltfremden Blick in die Zukunft und hilft, Jesu Gegenwart im Hier und Heute zu erfahren. Gottes Wort und die Erinnerung an sein Leben und Wirken helfen ein Gespür dafür zu bekommen, w e r Jesus heute für uns ist. Gottes Wort in unserem Leben fortzuschreiben. Es gibt keine gottlose Zeit und Welt.
Denn wir glauben – auch gegen jeden Augenschein, sozusagen über den Horizont hinaus –, dass es kein menschliches Leben gibt, das durch Gott nicht doch Sinn, Erfüllung und Vollendung finden kann. Wir erwarten Gott am Ende der Zeiten als einen, der es zu einem guten Ende bringen wird. Die letzte Stunde – dieser Erde oder unseres eigenen Lebens – wird eine Stunde der Befreiung sein, bei der aller Ballast von uns genommen wird. Glauben wir daran, können wir schon heute befreiter leben.
Wir wünschen Ihnen eine besinnliche Adventszeit!
Die Freunde des Momme-Nissen-Hauses, Pellworm
Das Leiden ist das Einfallstor
der Liebe.
Alle großen Taten opfernder Liebe
wären ungetan
geblieben,
hätte nicht Not und Leid
den Menschen
dazu aufgerufen.
Luise Rinser
Gebetsanliegen von Papst Benedikt XVI.
Dass zu Weihnachten alle Völker der Erde das menschgewordene
Wort als das Licht der Welt erkennen und dem Heiland ihre Tore öffnen.
November 2009
Herbst
Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Nikolaus Lenau
Manchmal spüre ich Sehnsucht, keinen Menschen mehr zu sehen, keinen Lärm mehr zu hören - ich will allein sein, Ruhe haben! Aber gleichzeitig überkommt mich dabei ein ungutes Gefühl. Alleinsein - ist das nicht Einsamkeit, also Verlassenheit, Mutterseelenalleinsein? Bedeutet das nicht, vereinsamt dahinzuvegetieren?
Ich denke an ältere Menschen, denen Verwandte und Bekannte durch den Tod genommen wurden und die dann verbittern. Oder an jemanden, dessen Partner durch einen Autounfall umgekommen ist. Oder an Eheleute, die zu zweit und doch einsam sind, weil sie sich auseinandergelebt haben. Auf dieses bedrückende Schweigen, dieses einsame Alleinsein kann ich gern verzichten! Wäre es da nicht besser, sich in Hektik und Trubel zu stürzen, um zu vergessen? Nur: Wenn ich mit mir allein nicht zurecht komme, komme ich auch unter vielen Leuten nicht zurecht, fühle mich vielleicht noch einsamer!
Andererseits fallen mir Menschen ein, die durch Todesfälle zwar allein sind - dabei aber ganz und gar nicht einsam sind, weil sie in sich selbst ruhen und in neuentdeckten Aktivitäten aufgehen. Oder an Mönche in Schweigeklöstern, die in der Hinwendung zu Gott und im Gebet für die Welt allein, doch nicht einsam sind. Es gibt offenkundig auch Alleinsein und Stille - seien sie ungewollt über einen gekommen oder gezielt gesucht -, die keine bedrückende, atemraubende Vereinsamung bedeuten, sondern beglückende, atemberaubende Zufriedenheit. Das hätte ich gern!
Mir geht´s um das bewusst gesuchte Alleinsein, die immer wieder gezielt gesuchte Stille. Das kann "wirkliche" Stille in den eigenen vier Wänden oder in der Natur sein. Das kann auch eine Stille in der Weise sein, dass ich mitten im Lärm den Lärm nicht wahrnehme, ganz auf mich konzentriert bin. Nur in diesem Alleinsein, dieser Stille habe ich Chancen, meine Talente kreativ zu entfalten. Nur so auch kann ich tiefer zu Gott, zu mir und darüber zu den Menschen finden. Für den Weg zu Gott, zu mir selbst eignet sich gerade die "wirkliche" Stille, etwa in der Natur.
Die Natur -zum Beispiel auf der Insel Pellworm- kann mir zudem als konkreter Einstieg dienen: Über Sinnes-Wahrnehmungen, etwa die intensive Wahrnehmung einer Blume, lerne ich allmählich auch geistige Wahrnehmungen, werde mir meines Gottes und meiner selbst bewusst. Es geht bei der Wahrnehmung der Blume wie bei der Wahrnehmung von Gottes Wirklichkeit und Gegenwart wesentlich darum, dass ich ganz im Augenblick lebe, mich nicht durch Nachdenken und Aktionen ablenken lasse, mich immer wieder auf die reine Wahrnehmung konzentriere. Das ist mühsam, aber lohnend.
Ich werde mir meines Gottes tiefer bewusst, begegne ihm, nehme in der Stille seine leise Stimme in mir wahr, erfahre mich selbst besser. Ich pflege also erst einmal ganz intensiv die erfüllende Wahrnehmung, ehe ich nachdenke und handle.
Geborgen in Gott, gehe ich mit neuen Maßstäben, mit neuem Mut aus dem Alleinsein, der Stille, wieder hinaus ins rauhe Leben, gestärkt zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit.
Zu einem Mönch kamen Menschen und fragten ihn nach der Bedeutung von Alleinsein und Stille. Der Mönch schöpfte Wasser aus einem Brunnen und sagte: "Wenn ich das Wasser fördere, ist Unruhe an der Wasseroberfläche. Wenn jedoch Ruhe einkehrt, sieht man sich selber im Wasser. Das ist die Erfahrung der Stille!" (Alte Mönchserzählung)
Das Unglück des Menschen beginnt damit, dass er nicht in der Lage ist, mit sich allein im Zimmer zu bleiben. (Blaise Pascal)
Wenn wir die Menschen
so nehmen, wie sie sind,
machen wir sie schlechter,
als sie sind.
Wenn wir sie
dagegen behandeln,
als ob sie wären,
wie sie sein sollen,
werden wir sie dorthin bringen,
wo sie hingehören.
Johann Wolfgang von Goethe
Lebenskraft aus der Musik
Die Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluss auf das Gemüt. (Napoleon Bonaparte)
Schlafstörungen können vielerlei Ursachen haben - gerade in der dunkleren Jahreszeit spielen Gemütsverstimmungen eine Rolle. Um das Gemüt zu "glätten", zu beruhigen und auf diese Weise den Schlaf zu fördern, bietet sich Musik an wie „Claire de lune“ (aus: "Suite bergamasque") von Claude Debussy oder die "Sonate für Klavier Nr. 14 cis-moll" ("Mondscheinsonate") von Ludwig van Beethoven.
Oktober 2009
Dem Glück auf der Spur
Glück - ist das ein üppiges Bankkonto ?
Die All-inclusive Reise in die Karibik ?
Ein schnelles Auto ?
Ein attraktives Auto ?
Nichts von alldem. Die französiche Schauspielerin Brigitte Bardot hat über sich selbst gesagt; "Ich bin in meinem ganzen Leben nicht glücklich gewesen". Und sie hatte Schönheit, Geld und Ruhm im Überfluß. Wenn ´s das nicht ist - was dann ?
Glück - das ist die Summe aus vielen kleinen wunderbaren Augenblicken.
Ein Lied, das uns ganz plötzlich berührt. Das erste Eis nach langem Winter. Das leise Frühlingserwachen. Das Glück kann man sehen und hören, schmecken und spüren. Denn Glück ist nichts Abstraktes, man muss sich von ihm nur ergreifen lassen, es im Alltag bemerken. Und doch ist das Glück immer rar, nur ein flüchtiger Augenblick. Hätten wir richtig viel davon, würden wir es gar nicht mehr als Glück wahrnehmen können.
Die Italiener sind beim Glück viel genauer. Sie unterscheiden zwischen dem glücklichen Zufall, la fortuna, und der glücklichen Lebenseinstellung, la felicita. Dem Glück kann keiner auf die Sprünge helfen, der glücklichen Lebenseinstellung schon.
Jutta Oster
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Du, Nachbar Gott.......
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal In langer Nacht mit hartem Klopfen störe, so ist's, weil ich dich selten atmen höre und weiß: Du bist allein im Saal.
Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall, denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds -
und sie bricht ein,
ganz ohne Lärm und Laut:
Aus deinen Bildern ist sei aufgebaut.
Und deine Bilder steh'n vor dir wie Namen Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt, mit welchem meine Tiefe dich erkennt, vergeudet sich's als Glanz auf deinem Rahmen.
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre,
wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte, und das nachbarliche Lachen, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
Und dich besitzen - nur ein Lächeln lang, um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.
Rainer Maria Rilke
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Lieber Gott
Vor ein paar Stunden hab ich dich einfach so angeredet. Ich war pinkeln, stockbesoffen und, den Kopf an die Kacheln des Pissoirs gelehnt, kaum mehr in der Lage,´meine Männlichkeit in den Griff zu kriegen, und da überkam mich plötzlich das Gefühl der Ewigkeit.
Du wirst dich in diesen Fällen nicht so auskennen, aber du mußt mir das einfach glauben, diese Stellung hilft einem eben, etwas von der Ewigkeit kennenzulernen.
Plötzlich hat man sein Gleichgewicht gefunden, Hände am Hosenlatz, ein Bein leicht angewinkelt und man ist so froh, nicht mehr umzufallen, daß man das nie mehr aufgeben will.
Jedenfalls kam mir da plötzlich dieses
"Lieber Gott" über die Lippen, und ich wundere mich, daß ich dich auf einmal so liebevoll angeredet habe.
Wir beide sind uns im Lauf der Jahre
über manches klarer geworden. Du willst mir nichts mehr vorschreiben, und ich will dir nichts mehr vormachen.
"Liebe Gott und tue, was du willst",
diesen Augustinus hat man mir früher immer verschwiegen. Dafür haben sie uns ab und zu kleine Hauchbilder in die Hand gedrückt mit schönen Engelmännern drauf, die gebrechlichen Damen über Brücken geleiten.
Aber wenn ich mir das mal ohne Haß durch den Kopf gehen lasse - so dumm kannst du gar nicht sein, wie dich die Jahrhunderte dargestellt haben. Von deinem Standort aus überblickst du alles ja soviel besser, wie sich Gesetze ändern, wie unmenschlich menschliche Ordnungen sind, wie sprunghaft die Schuld ist, lieber Gott, du kannst ja gar kein Rächer sein und schon gar kein Moralist.
Eigentlich hast du zuerst mal immer verdammt viel mit mir zu tun. Und du kannst warten.
Ewigkeiten fließen durch dich hindurch,
und du wartest einfach. Schreibst keine Romane, hörst dir nicht mal Gustav Mahler an, drückst dich in der Straßenbahn nie an kleine Mädchen, was, Gott, wenn ich nicht wäre?
Hab ich recht, stirbt was an dir, wenn ich aufgebe? Du nimmst mich doch böse und gut, grausam und mildtätig, Hauptsache, ich bleibe am Ball.
Ich würde gern mal mit dir einen Nachmittag lang durchs Universum fliegen, aber laß mich wieder zurück. Ich hab noch so viel zu erledigen hier unten, bin wohl noch nicht ganz fertig. Will im August in die Toscana, hab noch eine Menge Musik zu machen, muß ein paar Leuten auf die Zehen treten, meine Leber hält auch noch einiges aus, und lieben will ich, lieber Gott, lieben, bis mir das Fleisch von der Seele fällt. Haben das deine Engel mal so gemacht?
Wahrscheinlich muß mich erst wieder die Ewigkeit streifen in irgendeinem Pissoir, bis wir wieder mal miteinander plaudern.
Aber wir haben ja Zeit.
Werde bis dahin versuchen, schön chaotisch zu bleiben, Gesetze zu brechen und der Macht aus dem Weg zu gehen, das ist mir Moral genug.
Und nur unter diesem Gesichtspunkt sollten wirs weiter miteinander versuchen.
Will mich nicht messen mit dir.
Will auch nicht in die Knie sinken.
Drück mir die Daumen, und schäm dich nicht, vorbeizuschauen, wenn ich traurig bin.
Das hab ich nämlich schon lange rausgekriegt:
Ihr Götter könnt nicht weinen und müßt durch unsere Tränen stark werden.
Laß mich nicht fallen,
lieber Gott.
Konstantin Wecker
Nachtrag
Wort des Monats Oktober 2009
Zeit für Dich. Nur für Dich. …denn Deine Seele geht zu Fuß!
Die Seele braucht Ruhe
(Zeiten der Stille, Freiräume)
die Seele braucht Schönheit
(Musik, Kunst, Theater, gepflegtes Essen)
Die Seele braucht Freundschaft,
Freundschaft mit Gott,
Freundschaft mit anderen Menschen,
Freundschaft auch mit sich selbst.
Es ist an der Zeit, einen Schritt auf die Seite zu machen und einfach auch einmal Nehmender zu sein…
Nimm Dir eine Aus-Zeit vom täglichen Wahnsinn
Nimm Dir die Zeit, Zeit zu haben
Nimm Dir Zeit für Deinen Körper
Nimm Dir Zeit für Deine Seele und Deinen Geist
Nimm Dir Zeit für Dich
Nimm Dir die Zeit, Übungen und Aktivitäten zu machen, die Dir guttun
Nimm Dir die Zeit, die Seele baumeln zu lassen in freier, idyllischer Natur
Nimm Dir die Zeit und den Abstand, über Dein Leben nachzudenken
Nimm Dir die Zeit und mache genau das, auf was Du in diesem Moment Lust hast
Nimm Dir die Zeit, Du zu sein und nicht eine Rolle spielen zu müssen.
Finde zurück zu mehr Gelassenheit, Klarheit und vor allem Zufriedenheit. Nimm Dir Qualitäts-Zeit und Freiraum.
Schöpfe neue Kraft durch die Entschleunigung Deiner Aktivitäten, Deiner Tage.
September 2009
Dankbarkeit und Liebe
Dankbarkeit und Liebe sind Geschwister.
Dankbarkeit ist Liebe, mild doch stet.
Wer ein Liebender durchs Leben geht,
auch ein Dankender für alles ist er.
Christian Morgenstern
Dankbarkeit und Liebe
Eine ungewöhnliche Geschichte über Frau „Dankbarkeit“ und Herrn „Liebe“.
Das Leben der Frau Dankbarkeit
-Ein Märchen von Tobias Abend-
Es war einmal eine weise, sehr gut und attraktiv aussehende Frau. Sie hieß Dankbarkeit. Ihre besonders ausgeprägte Eigenschaft war, wie es ihrem Namen gebührte, die Dankbarkeit.
Sie fiel im Alltag nicht so sehr durch übermäßigen Luxus oder Reichtum auf, sondern vielmehr durch ihre erstaunlich positive Ausstrahlung. Menschen, die nicht diese Ausstrahlung hatten wie sie, fühlten sich oft von ihr stark angezogen und genossen ihre Nähe.
Manche jedoch konnten ihre Anwesenheit überhaupt nicht oder nur schwer ertragen. Sie kritisierten sie anfangs häufig, jedoch ergab es sich mit der Zeit immer seltener, dass Frau Dankbarkeit auf solche Menschen traf. Wie von göttlicher Hand geführt, entwickelte sich ihr Leben vollkommen glücklich, harmonisch und wunschgemäß.
Sie ging bescheiden durchs Leben und es mangelte ihr an nichts. Alles, was ihr Herz begehrte, war im Überfluss da und sie pflegte die kleinen und großen Kostbarkeiten, die sie um sich hatte sorgsam und dankbar. Sie hatte immer mehr als genug Geld und konnte sich alles leisten, was ihr Herz begehrte. Sie machte jedoch nie viel Aufhebens um Äußerlichkeiten.
Sie tat nichts was für andere ein Nachteil ist. Nie hörte man sie über jemand negativ oder ablehnend urteilen. Sie fand keinen Grund zum Klagen. Denn sie akzeptierte und liebte ihre Mitmenschen von Herzen, so wie sie waren. Sie war eine gute Zuhörerin, von ihrer Art eher sensibel und eine sehr genaue Beobachterin. Überall wo sie hin kam, fand sie Gründe, dankbar zu sein.
Diese Frau lebte zwar kein besonders spektakuläres oder auffälliges Leben, dazu war sie zu wenig auf Ruhm und Anerkennung aus. Jedoch genoss sie ein sehr angenehmes und leichtes Dasein. Frau Dankbarkeit öffneten sich Türen und Tore, wo immer sie hinwollte. Alles was sie sich vorstellte zu erreichen gelang ihr fast wie von selbst. Sie wertschätze ihre Mitmenschen bei jeder Gelegenheit großzügig und es fiel ihr sehr leicht, sich auch an unscheinbaren Kleinigkeiten zu erfreuen.
Dadurch, dass Frau Dankbarkeit so von Herzen dankbar durchs Leben ging, war ihre Wahrnehmung die meiste Zeit mit Lebensumständen beschäftigt, für die sie dankbar sein konnte. Weil sie ständig mit solchen Dingen beschäftigt war, sei es bewusst oder unbewusst, ergab es sich, dass ihr Leben immer reicher wurde an Anlässen, für die sie tiefe Dankbarkeit empfand. Freilich war das nicht immer so gewesen.
Damals zur Zeit der Undankbarkeit
Als Heranwachsende und junge Erwachsene war Frau Dankbarkeit die Undankbarkeit in Person gewesen.
Sie lehnte sehr vieles ab. Sie rümpfte häufig über andere Menschen die Nase. Sie haderte viel mit sich selbst. Sie betrachtete die Welt so, als müsse alles nach ihren Regeln laufen und als gäbe es nur eine Wahrheit, nämlich ihre eigene. Wenn sich jemand oder etwas nicht so verhielt wie es ihr passte, versuchte sie, dies aus ihrem Leben zu drängen. Sie lebte mit dem Glauben, andere Menschen verändern zu können. Sie scheiterte daran jedoch stets kläglich. Stattdessen kamen immer noch mehr dieser lästigen Umstände auf sie zu.
Es dauerte viele Jahre bis sie endlich wacher wurde und sie erkannte diesen grundlegenden Fehler in ihrer Wahrnehmung. Mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, dass sie selbst es war, die alle diese negativen Erlebnisse geschaffen hatte. Mit ihrer Undankbarkeit hatte sie Umstände geschaffen, die sie darin bestärkt hatten, weiter undankbar zu sein. Immer mehr verstand sie, wie sie sich durch ihre eigene Wahl der Wahrnehmung in unerwünschten Lebenseindrücken festgehalten hatte.
So beschloss sie, sich davon zu lösen und ganz konsequent immer dankbarer zu werden.
Die Undankbarkeit mit Dankbarkeit betrachten?
Frau Dankbarkeit dachte sehr oft dankbar an die Zeit zurück, in der sie voller Undank war. Sie hatte gelernt, ihre Vergangenheit vollkommen als liebenswerten Teil von sich anzunehmen. Als Zeit der persönlichen Reifung. Dankbar vor allem deshalb, weil sie inzwischen den riesigen gefühlten Unterschied zwischen einem Leben voller Dankbarkeit und einem in Undankbarkeit an sich selbst erfahren hatte.
Sie konnte nun alle Menschen wertschätzen. Insbesondere auch alle Menschen in ihrem direkten Lebensumfeld. Sie hatte keinen Impuls mehr zu denken, jemand solle anders sein oder sich anders verhalten als so, wie er gerade ist. Sie bekam eine sehr tiefgehende Gewissheit, dass immer alles in Ordnung ist.
Wenn Sie mal etwas feststellte, was ihr nicht passte, suchte sie nach Liebe und Dankbarkeit in sich selbst für diesen Umstand. Damit gelang es ihr alle Probleme wie von Zauberhand zu lösen.
Frau Dankbarkeit und ihre Freunde
Je mehr Frau Dankbarkeit sich zu ihrer wahren Natur der Dankbarkeit hin entwickelte, desto schöner und liebevoller wurden auch ihre Beziehungen. Sie war immer öfter von positiven und gut zu ihr passenden Menschen umgeben.
Ihre dicksten Freunde, mit denen sie fast jeden Tag zum gemeinsam Spaß haben und Tanzen ging, waren Herr Glück und Frau Liebe. Sie fühlte sich seelisch mit ihnen verbunden und wann immer sie ihre besten Freunde um sich hatte, öffnete sich ihr Herz noch weiter als sonst.
Und wenn sie nicht gestorben ist, so lebt sie noch heute. Sehr bewusst, täglich dankbar, naturverbunden und im Einklang mit ihren Freunden und Mitmenschen.
Ähnlichkeiten der Erlebnisse dieser Frau mit Menschen aus dem heutigen Alltagsleben in Europa sind reiner Zufall.
Gott sagt nicht:
„Das ist ein Weg zu mir,
das aber nicht“,
sondern er sagt:
„Alles, was du tust,
kann ein Weg zu mir sein,
wenn du es nur so tust,
dass es dich zu mir führt.“
Martin Buber
August 2009
„Es gibt nur ein Problem,
ein einziges, in der Welt.
Dem Menschen
eine geistige Bedeutung geben.
Geistige Verunsicherung abbauen.
Auf sie etwas herabregnen lassen,
was dem gregorianischen Gesang ähnelt. (...)
Wir können nicht mehr von
Kühlschränken, Politik,
Skat und Kreuzworträtseln leben,
verstehen Sie.
Das geht nicht mehr.
Man kann nicht mehr
ohne Poesie, ohne Farbe,
ohne Liebe leben.“
Antoine de Saint-Exupéry
August - Urlaub, Ferien, Freizeit. In der Antike meinte "Freizeit", besser: "Muße", eine dem angesehenen Bürger vorbehaltene Zeit, sich zu bilden, Philosophie und Politik zu betreiben, Musik zu hören - eine aktive, ausgefüllte Zeit. Zudem galt Muße als friedvolles Miteinander.
In diesem Sinn war "frey zeyt" im 14. Jahrhundert bei uns die zeitlich begrenzte Friedenspflicht während eines Marktes oder Festes. Vom 16. bis 18. Jahrhundert erhielt "frey zeyt" die Bedeutung einer Zeit gesteigerter persönlicher Freiheit für den einzelnen. Die Industrialisierung brachte eine bis dahin ungewohnte strikte Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Heute meint "Freizeit" eine dem einzelnen zur Verfügung stehende Zeitspanne, die weder direkt noch indirekt der Erwerbstätigkeit zugute kommt, sondern in Freiheit selbst gestaltet werden kann.
Ferien (lateinisch "feriae" = Feiertage) waren im römischen Reich Zeiten, in denen das Gericht nicht tagte, seit 1521 "geschäftsfreie Tage". Der Begriff "Urlaub" stammt aus dem Mittelalter und war die Erlaubnis für einen Ritter, seinem Dienst kurzzeitig fernzubleiben.
Benannt ist der August nach dem römische Kaiser Oktavian mit Beinamen "Augustus". Er war Nachfolger von Julius Cäsar und reformierte wie dieser, aber in kleinerem Umfang, den Kalender. Dafür wurde auch er durch einen Monatsnamen geehrt: Der "Sextilis", ehemals sechster Monat des römischen Jahres, hieß ab dem Jahr 8 n. Chr. "Augustus". Weiterer Grund für die Umbenennung mag gewesen sein, dass dies der "Glücksmonat" des Augustus war, der Monat seiner meisten Siege.
Die wogenden, goldenen Getreidefelder stehen in voller Reife, die Zeit des Aberntens ist gekommen. Bei uns wird heutzutage auf den Äckern hauptsächlich Getreide angebaut, und zwar vornehmlich Weizen - früher gab´s hauptsächlich Roggenfelder. Als das Brot noch Hauptnahrungsmittel und die Getreideernte deshalb äußerst bedeutsam war, fiel die wichtigste Erntezeit in den August. Deshalb hieß er im deutschen Sprachraum "Erntemonat".
Bedeutsamer katholischer Feiertag ist der 15. August, das "Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel", volkstümlich "Mariä Himmelfahrt". Das Fest reicht bis in die ersten Jahrhunderte zurück und beruht auf dem Glauben, dass Maria nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Es ist ein sehr brauchtumsbetontes Marienfest - so finden "Kräuterweihen" statt. Als Grund wird unter anderem vermutet, dass Maria im Sinne biblischer Aussagen traditionell als "Blume des Feldes und Lilie in den Tälern" gesehen wird. Solche Kräuterweihen sind schon für das 13. Jahrhundert bezeugt. Drumherum rankte sich viel Aberglaube - die Kräuter sollten Haus und Stall schützen.
Mitte August fanden ursprünglich germanische Erntefeste statt. Die "Frauendreißiger" genannten Tage von Mariä Himmelfahrt ("Großer Frauentag") an einschließlich des Festes Mariä Geburt ("Kleiner Frauentag", 8. September) gehen wohl auf eine zum germanischen Erntefest gehörige dreißigtägige Fastenzeit zurück.
Der August setzt, so Hildegard von Bingen, die kraftvolle Dynamik des Juli fort, steigert dies sogar noch - doch zugleich ist der Höhepunkt des Jahres nun überschritten. Vergleichbar dem Menschen, der mit starker Hand wirkt - und dabei bedachtsam vorsorgen muss für die Tage seiner Hinfälligkeit:
"Der achte Monat kommt in voller Kraft herauf. Daher strahlt die Freude aus ihm. ... Auch kann er schreckliche Gewitter bringen, weil die Sonne sich wieder ihrem Niedergang zuwendet ... Die Eigenschaften dieses Monats zeigen sich in den Händen des Menschen, die jedes Werk verrichten und die Macht des ganzen Leibes in sich vereinigen und speichern. ... Als ein Wissender ... kann der Mensch Gefährliches und Nutzloses ausschalten, das Gute und Brauchbare aber behalten, wie auch die Hände ihre löblichen Verrichtungen kraftvoll und rechtschaffen vollenden, einem Künstler gleich, der ... alle Teile seines Hauses so aufrichtet, dass er in ihnen sein ganzes Wesen weise zum Ausdruck bringt."
Freude durch Lob
Lob - das ist wie ein wärmender, sommerlicher Sonnenstrahl. Von dem Philosophen Josef Pieper stammt das Wort: "Der Mensch ist so gebaut, dass er darauf angewiesen ist, dass man ihm von Zeit zu Zeit sagt: Es ist gut, dass es dich gibt!"
Jeder Mensch braucht ab und zu Lob, Anerkennung, Bestätigung. Das lässt ihn aufblühen. Man sollte sich über das Lob freuen, das andere einem spenden. Schlicht und einfach freuen, ohne dabei in Selbstüberschätzung und Selbstüberheblichkeit zu verfallen. Man hat etwas Gutes vollbracht, und dafür darf man ruhig und ohne schlechtes Gewissen Lob einstecken. Die Abwehr von Lob, die falsche Bescheidenheit zeigt: In ungesunder Weise ist man entweder nicht in der Lage, eigene Erfolge zu erkennen - oder unfähig, zu ihnen zu stehen; man schämt sich ihrer, statt sich zu freuen und stolz zu sein.
Umgekehrt ist es gut und aufbauend, andere Menschen zu loben. Verdeutlicht es doch, dass man ihr Dasein und Wirken bewusst registriert und sich drüber freut, dankbar für sie ist. Und es macht ihr Leben heller.
Juli 2009
„Eine sanfte Brise umfange dich, wenn der Sommer kommt, ein wärmendes Feuer sei dir nicht fern, wenn der Winter naht. Und immer stütze dich das aufmunternde Lächeln eines Freundes.“
(Altirischer Segenswunsch)
URLAUB – EIN KOSTBARES WORT
Von Matthias G. Hagenhoff
urlaub
ein altes wort
vom zeitwort erlauben
eigentlich erlaubnis wegzugehen
urlaub
grundsätzliche erlaubnis also:
einmal alles hinter sich lassen
aus dem gesunden abstand heraus
das gewohnte alte neu sehen können
ferien
aus dem lateinischen feriae
bei den alten römern die tage
an denen zu ehren bestimmter götter
die arbeit
besonders die rechtspflege ruhte
mit dem wort feier verwandt
ferien
feier-tage also:
freie tage
ruhe-tage
fest-tage
kostbare atempause
leib und seele spüren
vacances
leere tage
sagen die franzosen
auch aus dem lateinischen
leer, ledig, frei sein
vacances
muße-tage also:
langsam leer werden können
die tage einmal frei halten von allem
was sonst bedrängt und umtreibt
holidays
heilige tage, gottgefällige tage
sagen die engländer
holidays
geweihte tage also:
innehalten und nachspüren
im fließen und zerrinnen der zeit
neu entdecken können:
„in DEINER hand ist meine lebenszeit
sind meine gezeiten“
In diesem Sinne:
Schönen URLAUB!
Schöne FERIEN!
Bonnes VACANCES!
Beautiful HOLIDAYS!
Juni 2009
Gottes Geist - Hören auf die Stille!
Stille, damit „die Seele nachkommen kann“!
Gott begegnet mir in der Stille. Ohne Schweigen, ohne Zurückgezogenheit, ohne Stille wird es schwer, ihm zu begegnen. Erst wenn ich den Mut habe, mich von aller Aktivität und allen äußeren Reizen zurückzuziehen und in die Stille zu begeben und das über längere Zeit auszuhalten, dann beginnt Gott, sein Geist in mir zu wirken und zu sprechen.
Warum „Schweigen“? Es geht hier nicht ums Gebet. Denn ein Gebet kann innerlich sehr laut und sehr ichbezogen sein. Kann also eher eigenes Gerede und gar nicht still sein. Nein, hier geht es um das eigene Schweigen. Es geht darum, den Mund zu halten. Es geht ums Zuhören, um das eigene Nichtstun.
Warum „aushalten“? Wenn ich in die Stille und ins Schweigen gehe, dann ist es in mir erst einmal gar nicht still und friedlich, sondern dann werde ich meist unruhig. Ich bekomme evtl. Angst und möchte am liebsten fliehen. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt aushalten kann: ohne Radio, ohne iPod, ohne Fernseher, ohne Zeitung, ohne Computer. Und wenn ich dann da so sitze, dann kommt alles Mögliche hoch.
Warum „längere Zeit“? Erst nach einer Weile werden die Stille und das Schweigen wohltuend. Aber dann steigt auch der Frieden in mir auf. In dieser Stille kann ich wirklich sensibel und hörfähig werden. Dann kann ich Gottes leise Stimme vernehmen. Oder wie es in der berühmten Geschichte des Elija heißt: ‚Gott war nicht im Sturm und nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern Gott war gegenwärtig im sanften, leisen Säuseln’ (vgl. 1 Kg 19,11).
Aber es bleibt nicht bei der Stille, beim Zurückgezogensein. Es darf nicht dabei bleiben. Nein, was dort in der Stille der Kontemplation vernommen wurde, das muss heraus. Das muss ins Tun und ins Engagement führen, in den Kampf und dann womöglich sogar ins Laute und in die Auseinandersetzung. Der bloße Rückzug allein ist nicht genug, auch wenn er immer wieder nötig ist. Sondern es gilt, was Jesus seinen Jüngern sagt: Was ich euch ins Ohr geflüstert habe, das verkündet auf den Dächern (vgl. Mt 10,27). Und das ist eine zweite Erfahrung des Geistes: Was dann aus dieser tiefen Stille ins Handeln kommt und zur Tat wird, das ist dann auch stark und hält stand. Das bleibt. Denn es kommt durch Gottes Geist. Damit geschieht die Verwandlung der Welt, wie sie zu Pfingsten begonnen hat und wie die Apostelgeschichte sie schildert: Nach den neun Tagen des Schweigens und der Stille der Apostel zusammen mit Maria, kommt dann der Aufbruch und Ausbruch des Geistes. Die Jünger verlassen den Saal und gehen hinaus und reden zu den Menschen (vgl. Apg 1,14 und 2,1-4).
Blicken Sie selbst einmal auf Ihr Leben und gehen Sie diesem Gegensatzpaar des Heiligen Geistes nach: Kontemplation und Kampf oder Hören und Tun. Habe ich schon einmal im Schweigen das Wort Gottes für mich, als Anregung des Geistes gehört? Bin ich ihr gefolgt? Was ist daraus geworden?
Der Förderverein „Freunde des Momme-Nissen-Hauses“ wünscht Ihnen alles Gute!
Mai 2009
Die vier Kerzen
Vier Kerzen brannten. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.
Die erste Kerze seufzte und sagte: "Ich heiße Frieden.
Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden. "
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz ...
Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben.
Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne."
Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.
Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort.
"Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen."
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.
Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte:
"Aber, aber, Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und fast fing es an zu weinen.
Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort.
Sie sagte: "Hab keine Angst!
Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden.
Ich heiße Hoffnung."
Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.
Gedanken einer Kerze
«Jetzt habt ihr mich entzündet und schaut in mein Licht. Ihr freut euch an meiner Helligkeit, an der Wärme, die ich spende. Und ich freue mich, dass ich für euch brennen darf. Wäre dem nicht so, läge ich vielleicht irgendwo in einem alten Karton - sinnlos, nutzlos. Sinn bekomme ich erst dadurch, dass ich brenne.
Aber je länger ich brenne, desto kürzer werde ich. Ich weiß, es gibt immer beide Möglichkeiten für mich: Entweder bleibe ich im Karton - unangerührt, vergessen, im Dunkeln – oder aber ich brenne, werde kürzer, gebe alles her, was ich habe, zugunsten des Lichtes und der Wärme. Somit führe ich mein eigenes Ende herbei.
Und doch, ich finde es schöner und sinnvoller, etwas herzugeben zu dürfen, als kalt zu bleiben und im düsteren Karton zu liegen....
Schaut, so ist es auch mit euch Menschen!
Entweder ihr zieht euch zurück, bleibt für euch - und es bleibt kalt und leer-, oder ihr geht auf die Menschen zu und schenkt ihnen von eurer Wärme und Liebe, dann erhält euer Leben Sinn. Aber dafür müsst ihr etwas in euch selbst hergeben, etwas von eurer Freude, von eurer Herzlichkeit, von eurem Lachen, vielleicht auch von eurer Traurigkeit.
Ich meine, nur wer sich verschenkt, wird reicher. Nur wer andere froh macht, wird selbst froh. Je mehr ihr für andere brennt, umso heller wird es in euch selbst. Ich glaube, bei vielen Menschen ist es nur deswegen düster, weil sie sich scheuen, anderen ein Licht zu sein. Ein einziges Licht, das brennt, ist mehr wert als alle Dunkelheit der Welt.
Also, lasst euch ein wenig Mut machen von mir, einer winzigen, kleinen Kerze.»
April 2009
Ein Maß in der Maßlosigkeit
Zwei Takte, vier Takte – beim Tanz und bei der Musik, selbst beim Motor im Auto geht es um Rhythmus und Takt. Die Uhren haben ihr Tick-Tack großteils verloren. Im digitalen Zeitalter erscheinen nur noch Zahlen auf dem Ziffernblatt. Wie wichtig aber ist es, dass mein Herz im richtigen Rhythmus schlägt.
Herzrhythmusstörungen müssen schnell korrigiert werden. In vielen Bereichen unseres Lebens leiden wir an „Herzrhythmusstörungen“. Wir verlieren das Taktgefühl und kommen durcheinander. Bereits im vierten Jahrhundert schrieb der Wüstenmönch Abbas Poimen: „Alles Übermaß ist von den Dämonen.“ Es ist die Kunst des Lebens, die richtige Dosierung zu finden. Schlangengift kann zum Heilserum werden, wenn es im richtigen Maß verabreicht wird. Auch unser Leben braucht ein Maß und eine Ordnung. Ein alltäglicher Rhythmus ist uns vorgegeben. Der Rhythmus von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen, von Werktag und Sonntag. Die Maßlosigkeit verursachen wir selbst. Wir drücken auf den Lichtschalter und verwandeln die Nächte in Tage. Wir trinken eine Tasse Kaffee und verdrängen die Schläfrigkeit. Wir schlucken Vitaminpräparate und verkürzen den Urlaub. Wir haben viele Möglichkeiten, natürliche Ordnungen zu durchbrechen. Aber alle Einseitigkeit macht uns krank. Alle Extreme machen uns depressiv. Die Tugend liegt im Maß, das Laster im Extrem. Es ist die Kunst des Lebens, die richtige Dosierung zu finden.
Einige besinnen sich wieder auf alte Regeln und erprobte Maßstäbe. Solch ein alter Grundsatz ist die benediktinische Lebensform: „Ora et labora“. Gebet und Arbeit bestimmen den Tagesrhythmus. In einigen neuen Büchern der Spiritualität wird diese polare Spannung mit den Bildern von Marktplatz und Wüste beschrieben. „Nur wer in der Wüste daheim ist, hat auf dem Marktplatz etwas anzubieten.“ „Die Stunden der Einsamkeit müssen mit denen der Gemeinsamkeit in einem bestimmten Verhältnis stehen, sonst verkümmern die Horizonte, und die Gehalte werden zerredet und vertan“, schreibt der Jesuit Alfred Delp, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Er sagt weiter: „Es steht schlimm um ein Leben, wenn es die Wüste nicht besteht oder sie meidet. Das ist eine der bewussten Befreiungstaten, die der Mensch an sich selbst tun muss, dass er sich immer wieder in der Einsamkeit dem ‚großen Frager’ und dem echten Anblick der Dinge stellt. Die Wüste gehört dazu.“
Die Wüste gehört dazu. Der Marktplatz allein macht unser Leben banal und oberflächlich. Die Beduinen sagen: „Wer aus der Wüste kommt, darf reden.“ Müssen die Stunden der Einsamkeit mit denen der Gemeinsamkeit in einem bestimmten Verhältnis stehen, damit die Gehalte nicht zerredet werden? In der Einöde und in den unendlichen Weiten der Wüste herrschen intensivere menschliche Beziehungen als in manchen vollgepfropften Hochhäusern unserer dicht bevölkerten Großstädte, in denen keiner den anderen kennt. Auf den Straßen hasten wir aneinander vorbei und grüßen keinen mehr. In der Wüste ist es selbstverständlich, dass man halt macht, wenn man einem Menschen begegnet. Man grüßt einander, erkundigt sich nach dem Woher und Wohin, fragt, ob der andere etwas braucht, ob man helfen kann, ob sonst jemand unterwegs ist.
Vor der Riesenkulisse der lebensfeindlichen Wüste gilt der Mensch noch etwas. In der Einöde tritt der Mensch nicht als namenloser Teil einer anonymen Masse auf, sondern als der unverwechselbare Einzelne. Die Begegnung mit ihm ist kostbar. Nach tagelangen Fahrten durch menschenleere Gegenden erscheint die Begegnung wie ein Wunder. Hier tut sich Tieferes kund. Wahre menschliche Begegnung gelingt nur im Raum des Schweigens und der Stille. Freundschaften werden in der Wüste geschlossen – Freundschaften zwischen Menschen, aber auch Freundschaft mit Gott. So geschieht das Paradoxe: Gerade die Einöde wird zum Ort der Kommunikation, die Leere zum Ort der Begegnung, das Schweigen zum neuen Dialog.
Es gibt Worte, die mit besonderer Aufmerksamkeit aufgenommen werden. Dazu gehört ein Brief aus dem 12. Jahrhundert. Er wurde schon oft veröffentlicht und ist aus der Erfahrung der Spiritualität der Zisterzienser geschrieben.
Der heilige Bernhard von Clairvaux, der von 1091 bis 1153 lebte, schrieb an seinen Freund, den früheren Mönch, der als Papst Eugen III. regierte, folgenden Brief: „Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb Deine Stirn verhärtest; dass Du Dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der allen alles geworden ist (1 Kor 9,22), lobe ich Deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst Du aber voll und echt Mensch sein, wenn Du Dich selbst verloren hast? Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für alle andern, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es Dir sonst nützen, wenn Du – nach dem Wort des Herrn (Mt 16,26) – alle gewinnen, aber als Einzigen Dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt (Ps 78,39)? Wie lange noch schenkst Du allen andern Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?
Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“
März 2009
Spiritualität ist fast ein Modewort.
Spiritualität ist Lifestyle. Dabei wird leicht übersehen, dass dieses Wort abgeleitet ist vom lateinischen „spiritus“ (Geist, Atem, Hauch) und inhaltlich vom „Heiligen Geist“ -und damit von Gott selbst. Ein spiritueller Mensch ist ein inspirierter, ein von Gott "angehauchter" Mensch. Dieser göttliche Atem verändert das Leben und formt Lebenshaltung.
Die Frage von dem Sinn und die Hoffnung auf ein Mehr sind ungebrochen lebendig. Man spricht inzwischen von neu erwachter Religiosität. Menschen suchen mehr als Konsum und Kommerz, Unterhaltung und Ablenkung. Die Suche nach Tiefe und Sinn, nach Perspektive und Transzendenz geht in viele Richtungen, ist oft beeinflusst vom Denken asiatischer Religiosität; Esoterik gewinnt an Bedeutung; es gibt ein Interesse am Islam und es gibt eine Rückbesinnung auf die Wurzeln christlichen Glaubens. Immer aber geht es um „das Mehr“ des Lebens, über „das Andere“, das über den Alltag, die Arbeit, das Altern und Sterben hinausgeht, nach einem grund, in der Liebe, die Hoffnung, die Sehnsucht nach Güte und Wahrheit, Gerechtigkeit und Erbarmen ihren festen, bleibenden Grund haben.
Christliche Spiritualität lebt „aus Gott“; sie zehrt vom Heiligen Geist. Sie lässt sich auf den lebendigen und persönlichen Gott ein, öffnet sich ihm, lässt sich von ihm ansprechen und mit der Zeit „formen“. Gottes lebendige Gegenwart wird so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen, die uns umgibt:
Es gibt einen Grund, der mich trägt.
Es gibt ein Ziel, das mich anzieht.
Es gibt eine Ewigkeit, die mich umfängt.
Gott ist zwar der unendlich Erhabene, aber zugleich der ganz Nahe. Ich kann ihn auch in mir selber suchen, seine Gegenwart in mir und meinem Alltag erleben. Gott ist uns mit seinem Geist näher als ich mir selbst nahe bin. Wenn ich mich selbst nicht mag, mir fremd bin, mich nicht verstehe, dann versteht er mich und kennt mich besser als ich mich selbst kenne.
„Du kennst mich, ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir, von ferne erkennst du
meine Gedanken“.
Psalm 130
Kraft aus Gott , um in die Welt zu wirken. Die innere Orientierung wirkt sich aus im Tun. Wie komme ich zu einer solchen Weltanschauung und Lebenseinstellung? Wie gewinne ich diese Spiritualität? Wie kann ich ihren Wert erfahren und sie praktisch leben unter den vielen, die ihr Leben ohne ausdrückliche Rückbindung an Gott gestalten?
Wenn ich glaube, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist und daß er mich liebt und darum „das Gespräch“ mit mir sucht, dann kann alles zu einer Botschaft an mich werden, Zeichen der Ermutigung, der Herausforderung, der Warnung ebenso wie Zeichen der Hoffnung. Gottes Beziehung zu mir und meine Offenheit für Gott verleihen der Wirklichkeit um mich herum jenen gleichen Mehrwert an Bedeutung und möglicher Bedeutsamkeit, wie die Rose durch die Liebe zweier Menschen mit Bedeutung aufgeladen wird.
Der Christ sieht und hört nichts anderes als jeder andere Mensch. Aber er sieht diese Einsicht sieht tiefer, dieser Glaube gibt allem eine neue (Be-) Deutung. Ein Blinder kommt zu Jesus, und Jesus fragt: „Was soll ich dir tun?“ Der Blinde antwortete: „Herr, ich möchte wieder sehen können“.
(Markus 10,51)
Am Anfang eines intensiveren Lebens aus dem Glauben, steht dieses Sehen wollen und das richtige Hören.
„Als mein Gebet
immer andächtiger und
immer innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still. ...
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, daß Beten
nicht bloß Schweigen ist, sondern
Hören.“
Sören Kiergegaard
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Vorsätze für die Fastenzeit
Schon Vorsätze für die Fastenzeit gemacht? Diese Zeit, auch österliche Bußzeit genannt, ist immer wieder Anlass für diverse Vorsätze. Fasten ist angesagt. Verzicht auf diverse Speisen und Getränke. Ein willkommenes Angebot der Kirche zur Reduktion des Körpergewichtes. Statt teurer Fastenkuren kirchliches Gesundschrumpfen.
Was ist der Sinn des Fastens, oder besser, was ist Fasten überhaupt?
Wir Christinnen und Christen sind gehalten, uns an Jesus zu orientieren. Hat auch er gefastet? Wie hat er das getan?
Es ist bezeugt, dass er sich beispielsweise in die Wüste zurückzog. Viel wichtiger für uns sind aber seine Anweisungen: „Wenn ihr fastet, blickt nicht wie die Blender trübselig drein. Denn sie machen verhärmte Gesichter, um vor den Menschen als Fastende zu erscheinen. Wahr ists, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest: Salbe deinen Kopf und dein Gesicht wasche, damit du nicht den Menschen fastend erscheinst, sondern Gott.“ (Mt 6,16–18)
Die Worte sind klar und deutlich: Das Fasten soll nicht nach außen beeindrucken, sondern eine innere Beziehung zu Gott schaffen. Es soll uns Lebenshilfe sein. Das Fasten soll unseren Blick für das Wesentliche, für das Leben wieder frei machen. Spätestens hier merken wir, dass hinter dem Fasten sich weit mehr verbirgt als Fleischverzicht am Aschermittwoch oder Karfreitag. Dass wir kein Fleisch an diesen Tagen essen, ist ein rein äußerliches Zeichen. Damit ist aber bei weitem noch nicht gefastet im Sinne Jesu. Und darum kann es auch gar nicht gehen. Sonst müsste man gleichermaßen jedes mehrgängige Fischmenü in guten Restaurants an diesen Tagen hinterfragen.
Fasten ist Teil der Antwort auf die Frage: Wie kann ich wahrhaft menschlich leben in dieser Welt, so wie es Gott, der Liebende allen Lebens vorgesehen hat?
Fasten heißt Verzicht. Wie wäre es, wenn wir statt auf gutes Essen auch einmal auf unsere schlechten Angewohnheiten verzichten? Zum Beispiel auf unseren Neid, auf unsere Eifersucht und auf unsere schlechte Laune?
Wie wäre es, wenn wir darauf verzichteten, unsere Natur auszubeuten? Wie wäre es, wenn wir darauf verzichten, in der Familie den anderen auf die Nerven zu gehen?
Genau dahin möchte uns Jesus dirigieren: Dieser Verzicht, dieses Fasten soll unser Leben aufwerten. Es soll uns Freude bereiten, zu merken, dass wir einen Ausweg aus so mancher Sackgasse des eigenen Lebens finden können.
Don Mario Pinggera, Richterswil
Slow me down, Lord
Rasend schnell ist unsere Welt und das Prinzip Autobahn beherrscht den Alltag. Wer zu langsam ist, wird überholt. Die Fußgängerampeln sind so schnell geschaltet, dass alte Menschen oder Gehbehinderte kaum in der Grünphase über die Straße kommen, und zu oft wird man hineingezogen in den Sog der Geschwindigkeit. Im Alltag, bei der Arbeit und immer mehr auch in der Freizeit. Das zeigt sich in Ungeduld, Überreizung und schließlich in Erschöpfung. Ich kenne dieses Getriebensein und ich kenne auch diese Erschöpfung und wohl deshalb blieb ich, als ich mal wieder in einer Buchhandlung kramte, bei einem irischen Gebet hängen, ein Gebet wie eine innere Notbremse. Sein Titel lautete: „Slow me down, Lord.“
„Mach mich langsam, Herr.
Verlangsame, bremse mich.
Beruhige die schweren Stöße meines Herzens
durch die Besänftigung meiner Gedanken.
Festige mich mit der Vision vom ewigen Maß der Zeit.
Gib mir, mitten in der Zerstreuung meiner Tage,
die Ruhe der immerwährenden Hügel.
Löse die Spannung meiner Nerven mit dem sanften Fluss der Ströme.
Hilf mir, die wiederbelebende Kraft des Schlafes zu erfahren
und lehre mich die Kunst, Ein-Minuten-Urlaube zu nehmen.
Mach mich langsam,
um auf eine Blume zu schauen,
mit einem Freund zu plaudern
oder ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Erinnere mich jeden Tag,
dass mehr zum Leben gehört als seine Geschwindigkeit zu erhöhen.
Lass mich in die Zweige der großen alten Bäume schauen und wissen,
dass sie langsam und gut gewachsen sind.
Mach mich langsam, Herr, und beseele mich,
so dass ich meine Wurzeln in den Boden senke
bis hin zu den bleibenden Werten des Lebens.
Damit ich wachsen darf,
den Sternen meiner größeren Bestimmung entgegen.
Mach mich langsam, Herr,
mach mich langsam,
bremse,
beruhige mich.“
Peter Kottlorz
Februar 2009
Mit offenen Augen
Deinen Alltag heiligen
im Entdecken der göttlichen Hoffnungsspur
in deinem Leben
heilende Alltagszeichen weisen dir den Weg
Die Kaffeetasse
die von deiner Sehnsucht erzählt
zur Ruhe zu kommen
Der Küchentisch
der von deinem Urwunsch
nach Verwurzelung und Gemeinschaft geprägt ist
Der Spiegel
der dich verweist auf das Bedürfnis
wohlwollendes Ansehen zu erhalten
Zu Segenszeichen werden diese Alltagssymbole
wenn du im Unscheinbaren
das Himmlische entdeckst
deine Vertrauenszeichen offenbaren dir
Gottes Gegenwart
die uns alltäglich verheißen ist
Pierre Stutz
Im Alltag die Augen zu öffnen und tiefer zu sehen,
im Alltag nicht nur den Alltag zu erleben,
sondern im Unscheinbaren
die göttliche Hoffnungsspur für uns zu entdecken:
das wünscht Ihnen
der Vorstand des Fördervereins „Freunde des Momme-Nissen-Hauses“
durch das Jahr hindurch, Tag für Tag.
Gott allein
Ich habe ganz deutlich erfahren,
dass Ängste und Sorgen umso kleiner werden,
je mehr man in Gott geborgen ist.
Solange man alle Hoffnung
Und sein ganzes Vertrauen auf Menschen
Und materielle Dinge setzt,
die so leicht verletzt sind
und do rasch vergehen,
gibt man Ängsten und Sorgen nur neue Nahrung.
Als ich mich für „Gott allein“ entschieden hatte,
verloren viele Dinge ihre Wirklichkeit,
die als lebensnotwendig angepriesen wurden.
Eine Unwertung aller Werte kam in Gang.
Alles geriet durcheinander,
bis es die richtige Stelle einnahm.
Ich begann die Scheinwerte loszulassen.
Dieses Loslassen war täglich ein neuer Anfang.
Aber je mehr ich losließ,
desto freier fühlte ich mich
und desto mehr konnte ich es genießen.
Phil Bosmans
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Bewunderung
Ich glaube an Gott, und ich glaube, hört ihr,
dass er ein Künstler ist, ein Erfinder:
Unbegrenzt sind seine Ideen. Alles ist neu,
was er macht, und aus erster Hand. Schön ist es,
vielgestaltig und aller Bewunderung würdig.
Er gleicht nicht dem Bild, das ihr euch
zurechtdenkt, euren Begriffen und Definitionen.
So wie ihr ihn beschreibt, hätte er niemals
so eine Welt voller Wunder erschaffen.
Geheimnis lautet sein Name, und immer
der Andere,
hoch über allem, was ist, und allem voraus,
der Anfang, der Atem, der alles hervorbringt,
und seine Kraft ist spürbar in allem. Er wirkt
die Vollendung, nach der wir uns sehnen.
Im Sturmwind und Feuer, so ist er erschienen,
er wohnt in der Wolke, im Wort, in der Stille.
Er sät seine Hoffnung unter den Armen.
Im Herzen der Liebenden ist er, inmitten
der Welt, und gepriesen sei sein herrlicher Name.
Lothar Zenetti
Januar 2009
Gib der Welt den Frieden wieder
Süße, liebe Friedenstaube,
Die du schnell den Öhlzweig bringst,
Wenn du vor des Geyers Raube,
Frey den kleinen Fittig schwingst!
Ist es wahr, daß du den Klüften
Deines Elends dich entziehst,
Und von Hoffnung aus den Lüften,
Froh auf unsre Fluren siehst?
Komm, verzeuch nicht, laß dich nieder,
Unsre Herzen öffnen sich,
Gieb uns Fried und Eintracht wieder,
Und du findest sie für dich.
Laß das holde Zweiglein fallen!
Denn, sobald es Wurzeln schlägt,
Sehn wir Heil und Wohlgefallen
In den Früchten, die es trägt.
Wo es blüht, tönt durch die Wälder
Kein entheilgend Beil zum Fall,
Und die saatenreiche Felder
Thürmt kein Spat zu Schanz und Wall.
Süße Frühlingsblümchen sprießen,
Unzertreten, vor uns auf,
Und die Bäche, die hier fließen,
Färbt kein Blut in ihrem Lauf.
Schmachtend seufzt nach seinem Schatten,
Das von Gram versenkte Glück,
Zarten Müttern, treuen Gatten,
Bringt er ihren Wunsch zurück;
Väter, vaterlosen Kleinen,
Und den Jüngling seiner Braut;
Alle, wo sie ja noch weinen,
Weinen vor Entzücken laut.
Nun, du holde Friedenstaube!
Die du uns den Öhlzweig bringst,
Wenn du vor des Geyers Raube,
Frey den kleinen Fittig schwingst!
Komm, verzeuch nicht! Laß dich nieder!
Unsre Herzen öffnen sich,
Gib der Welt den Frieden wieder,
Und nimm ihn dann auch für dich.
(aus "Des Knaben Wunderhorn" von Achim von Arnim / Clemens Brentano)
Was würden Sie tun,
wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?
Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich
die ersten Nächte schlaflos verbringen
Und darauf tagelang ängstlich und kleinlich
Ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen.
Dann - hoffentlich - aber laut lachen
Und endlich den lieben Gott abends leise
Bitten, doch wieder nach seiner Weise
Das neue Jahr göttlich selber zu machen.
Joachim Ringelnatz
„Gott landet
bei den Menschen.
Ob er auch ankommt
oder nur strandet,
liegt an ihnen.“
Michael Zielonka
Der Vorstand des Fördervereins „Freunde des Momme-Nissen-Hauses“ e.V. wünscht Ihnen Gottes Segen für ein gutes „Neues Jahr“ 2009.
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