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Wort des Monats 2010

Januar - Dezember 2010

Momme-Nissen-Haus

August

Der Widerschein der Sonne
in einem Tautropfen
ist nicht weniger schön
als die Sonne selbst,
und die Spiegelung
des Lebens
in Eurer Seele
ist nicht weniger kostbar
als das Leben selbst.

 
Khalil Gibran
Wort des Monats August 2010 Momme-Nissen-Haus Pellworm
Die kleinen, frohmachenden Zeichen menschlicher Wärme –
sie sind es, die uns bereichern:
ein liebevolles Wort, ein fester Händedruck, ein freundliches Lächeln.
Eigentümlich, dass sie manchmal so schnell übergangen sind …

Dabei können sie sogar Zeichen der Nähe Gottes sein!
Seine Geschöpfe sind wir – und berufen, seine Liebe, seine Wärme,
seine Freude weiterzuschenken, sein Ebenbild zu sein.
Und Du, sein Geschöpf, bist nicht weniger schön als der Schöpfer selbst!
Mensch, Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie sehr Gott Dich liebt,
wie kostbar DU bist für IHN …

Der Förderverein „Freunde des Momme-Nissen Hauses“ wünscht allen einen warmen Sommer!

 

 

Juli

 
Einmal wie das Wasser sein,
 
sich durch die Flüsse bewegen,
 
durch Wiesen und Felder fließen:
 
Leben und Fruchtbarkeit bringen überallhin.


Einmal wie das Wasser sein,
 
das jeden Schmutz und Schweiß abwäscht,
 
und den Menschen neue Hoffnung geben,
 
die Heil und Auferstehung suchen.
 
 
 
Einmal wie das Wasser sein
 
dass die Menschen trägt auf ihren Schiffen
 
dass ihnen die Lasten abnimmt
 
auf ihrer Fahrt durch das Leben.
 
 
 
Einmal wie das Wasser sein
 
aus dem die Menschen ihr Leben schöpfen
 
das uns zur Lebensquelle wurde,
 
seit Jesus in das Wasser des Jordan ging,
 
um als neuer Mensch aus ihm emporzusteigen.
 
 
 
Einmal wie das Wasser sein,
 
dem Gott seine Richtung weist,
 
um den Menschen
 
zur lebendigen Quelle zu werden.
 
 
 
Einmal wie das Wasser sein,
 
das uns mit allen Menschen auf allen Kontinenten verbindet,
 
und uns lehrt als Schwestern und Brüder zu leben
 
weil wir alle vom gleichen Wasser schöpfen.
 
Quelle unbekannt
 
 
 
 
Da berühren sich Himmel und Erde
 
Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen
 
 
und neu beginnen
 
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.
 
 
 
Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken
 
Und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich...
 
Wo Menschen sich verbünden, den Haß überwinden
 
und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde
 
Thomas Laubach=

 

Juni 2010

 
 „Vergiss alle Eigenschaftswörter
Verbrenn alle Bilder
schreib ihn nicht fest
trau keinem Namen
feilsche nicht
rechne nicht
mit dem Berechenbaren
nimm Abschied von deinen
Erwartungen
und lass dich überraschen
gib deiner Sehnsucht Raum
aber fessele ihn nicht
alle Versuche dir deinen
Hausgott zu basteln
sind vergebens
Gott ist ganz anders
aber er sucht dich
wenn du dich finden lässt
er findet dich
wenn du ihn suchst.“
 
Anselm Grün/ Andrea Schwarz



D e s i d e r a t a
Die Lebensregel von Baltimore.

Geh deinen Weg gelassen im Lärm und in der Hektik dieser Zeit, und behalte im Sinn den Frieden, der in der Stille wohnt. Bemühe dich mit allen Menschen auszukommen, soweit es dir möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben. Sprich das, was du erkannt hast gelassen und klar aus, und höre anderen Menschen zu, auch den Langweiligen und Unwissenden, denn auch sie haben etwas zu sagen.

Meide aufdringliche und aggressive Menschen, denn sie sind ein Ärgernis für den Geist. Vergleiche dich nicht mit anderen, damit du nicht eitel oder bitter wirst, denn es wird immer Menschen geben, die größer sind als du, und Menschen, die geringer sind. Erfreue dich an dem, was du schon erreicht hast, wie auch an deinen Plänen.

Bleibe an deinem beruflichen Fortkommen interessiert, wie bescheiden es auch sein mag; es ist ein echter Besitz in den Wechselfällen der Zeit. Sei vorsichtig in deinen geschäftlichen Angelegenheiten, denn die Welt ist voller Trug. Lass dich jedoch dadurch nicht blind machen für die Tugend, die dir begegnet. Viele Menschen haben hohe Ideale, und wo du auch hinsiehst, ereignet sich im Leben heldenhaftes.

Sei du selbst, und, was ganz wichtig ist, täusche keine Zuneigung vor. Hüte dich davor, der Liebe zynisch zu begegnen, denn trotz aller Dürreperioden und Enttäuschungen ist sie beständig wie das Gras.

Nimm den Rat, den dir die Lebensjahre geben, freundlich an, und lass mit Würde ab von dem, was zur Jugendzeit gehört. Stärke die Kraft deines Geistes, so dass sie dich schützt, wenn ein Schicksalsschlag dich trifft. Doch halte deine Phantasie im Zaum, damit sie dich nicht in Sorge versetzt. Viele Ängste wurzeln in Erschöpfung und Einsamkeit. Übe gesunde Selbstdisziplin, doch vor allen sei gut zu dir.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne: Du hast ein Recht, da zu sein. Und ob es dir bewusst ist oder nicht: ganz sicher entfaltet sich das Universum so, wie es ihm bestimmt ist. Lebe daher in Frieden mit Gott, wie auch immer du ihn dir vorstellst. Und worauf du deine Anstrengungen auch richtest, was es auch ist, das du erstrebst, im lärmenden Durcheinander des Lebens sei mit dir im Reinen.

Trotz allen Trugs, aller Mühsal und aller zerbrochenen Träume ist die Welt doch wunderschön. Sei heiter. Strebe danach, glücklich zu sein.

(von Max Ehrmann (Amerikaner) 1872 - 1945 - aus dem Gedichtband: "The Poems of Max Ehrmann)

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Gebet

Herr, du weißt es besser als ich,
dass ich älter werde und eines Tages alt bin.
Bewahre mich vor der unheilvollen Angewohnheit zu meinen,
ich müsse zu allem etwas sagen und bei jeder Gelegenheit.
Befreie mich von dem Verlangen, jedermanns Angelegenheiten in Ordnung bringen zu wollen.
Mache mich bedachtsam aber nicht schwermütig,
hilfsbereit, jedoch nicht herrschsüchtig.

Angesichts meines unermesslichen Vorrats an Lebenserfahrung
scheint es bedauerlich, nicht alles zu nützen,
aber Du weißt, Herr, dass ich ein paar Freunde
haben möchte am Ende.

Bewahre mich davor, endlose Einzelheiten aufzuzählen,
verleihe mir Flügel, zur Hauptsache zu kommen.
Versiegle meine Lippen, was meine Schmerzen und Leiden anbelangt,
sie nehmen zu, und die Lust daran, sie aufzuzählen
wird wohltuender mit den Jahren.

Um soviel Gnade zu bitten, dass ich auch an den Erzählungen
über die Schmerzen anderer Gefallen finden könnte,
wage ich nicht.
Hilf mir jedoch, sie mit Geduld zu ertragen.

Ich wage es auch nicht,
ein besseres Gedächtnis zu erbitten,
wohl aber zunehmende Bescheidenheit
und abnehmende Selbstsicherheit,
wenn meine Erinnerung mit den Erinnerungen anderer
in Widerspruch zu stehen scheint.

Führe mich zu der großartigen Erkenntnis,
dass ich mich gelegentlich auch irren könnte.
Trage Sorge dafür, dass ich einigermaßen liebenswürdig bin.
Ich möchte ja keine Heilige sein
(mit manchen von ihnen lebt es sich so schwer),
aber eine sauertöpfische Alte
ist eines der hervorragenden
Werke des Teufels.

Schenke mir die Fähigkeit,
Gutes zu entdecken an Orten,
an denen ich es nicht erwarte
und Begabungen an Menschen,
denen ich sie nicht zutraute
und gib mir, o Herr, die Gnade,
es ihnen auch zu sagen.

Amen

Theresia von Avila
1515 - 1582

 

Mai 2010

Dem Glück auf der Spur 

Glück - ist das ein üppiges Bankkonto?

Die All-inclusive Reise in die Karibik?

Ein schnelles Auto?

Ein attraktives Auto?


Nichts von alldem. Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot hat über sich selbst gesagt; „Ich bin in meinem ganzen Leben nicht glücklich gewesen“. Und sie hatte Schönheit, Geld und Ruhm im Überfluss. Wenn ´s das nicht ist - was dann ?

Glück - das ist die Summe aus vielen kleinen wunderbaren Augenblicken.
Ein Lied, das uns ganz plötzlich berührt. Das erste Eis nach langem Winter. Das leise Frühlingserwachen. Das Glück kann man sehen und hören, schmecken und spüren. Denn Glück ist nichts Abstraktes, man muss sich von ihm nur ergreifen lassen, es im Alltag bemerken. Und doch ist das Glück immer rar, nur ein flüchtiger Augenblick. Hätten wir richtig viel davon, würden wir es gar nicht mehr als Glück wahrnehmen können.

Die Italiener sind beim Glück viel genauer. Sie unterscheiden zwischen dem glücklichen Zufall, la fortuna, und der glücklichen Lebenseinstellung, la felicita. Dem Glück kann keiner auf die Sprünge helfen, der glücklichen Lebenseinstellung schon.

Quelle: Jutta Oster - Statt Schokolade - Alles was sonst noch glücklich macht
Pattloch Verlag



„Ach, wenn ihr doch begreifen wolltet,
ihr alle, dass das Christentum durchaus
wie eine Überforderung erscheint,
was sage ich: dass es eine Überforderung ist,
ein ungerechter Angriff auf unsere Vernunft,
auf unsere Menschenkenntnis,
die wir in harter Erfahrung erworben haben.
Wie kann man Menschen lieben,
wenn man sieht wie sie sind:
geizig, eng, hämisch, betrügerisch, lügenhaft,
hartherzig, feige, voller Mordwünsche, gierig,
schmutzig und dumm, ach so dumm ...
Ja, wie kann man sie lieben,
wenn man schon sich selbst nicht lieben kann,
da man sich kennt in aller eigener Niedertracht.“


Luise Rinser
aus: Die vollkommene Freude



Spuren im Sand

Eines nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herren. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten - Streiflichtern gleich - Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand. Meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrank, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens. Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"

Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich, und werde dich nie alleine lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."

Copyright 1964 Margaret Fishback Powers

Copyright der deutschen Übersetzung: 1996 Brunnen Verlag Gießen; www.brunnen-verlag.de

 

April 2010

Geschichte,Bedeutung,Riten und Bräuche zu Ostern

„Es muß feste Bräuche geben“, erklärt der Fuchs dem kleinen Prinzen (Antoine de Saint-
Exupery: Der kleine Prinz), als dieser sich beim Versuch der Fuchszähmung unbeholfen
anstellt. Und als der kleine Prinz fragt: „Was heißt ´fester Brauch´?“, antwortet der Fuchs:
...

„Auch etwas in Vergessenheit Geratenes. Es ist das, was einen Tag vom anderen
unterscheidet, eine Stunde von den anderen. Sonst wären die Tage alle gleich.“


Angesichts der Folgen der Globalisierung und einer grenzenlos gewordenen elektronischen
Welt, sind feste Bräuche und Riten im Jahreskreis e i n Mittel, um Geborgenheit, Vertrauen,
Sicherheit und Orientierung zu geben. Für den Psychologen Carl Gustav Jung wird das
Leben ohne feste Bräuche und Rituale leer , sinnlos und banal, bestehend nur noch aus
Arbeit, Hetze und Geschäftigkeit. Eine Kultur, die nur noch auf Nützlichkeitswerte, Geld und
Aktien „baut“, hat keine Zukunf!! Der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Brot allein, und
deshalb können feste Bräuche und Riten nicht nur angstmindernd, sondern auch im höchsten
Grad sinnstiftend wirken. Sie können eine „Brücke zwischen Himmel und Erde“ sein und
damit unserem Leben eine tiefere Dimension verleihen. Lebendiges Brauchtum lebt vom
Zusammenhang von Religion und Welt.

Der Sinn christlicher Feiern und Festzeiten wird lebendig in der Vielfalt und den Formen der
Festbräuche. Feste im Jahreskreis kann man sehen, hören, riechen,anfassen, schmecken (siehe Rezept unten). Mehrheitlich haben die Feste christliche „Wurzeln“. Feste Bräuche ersetzen zwar nicht den Gottesdienst(Dienst Gottes an uns!), aber sie übertragen die „Festaussage“ in unseren Alltag. Die Menschen sind auf der Suche nach den geschichtlichen Wurzeln in einer schnellebigen Zeit und fragen deshalb:

Was heißt OSTERN? Woher kommt das OSTEREI? Und was hat der OSTERHASE mit Ostern zu tun? Was bedeutet das OSTERFEUER, die OSTERKERZE?...........

Das christliche OSTERFEST hat seinen Vorläufer im jüdischen Passah-,Pascha- oder
Pessach-Fest. (Erinnerung an der Auszug der Kinder Israels aus dem „ägyptischen
Sklavenhaus“) In dieser Tradition lebte Jesus von Nazareth, als er im Rahmen seiner letzten „Passah-Feier“ („letztes Abendmahl“) -vor seinem Tod- diesen Anlaß nahm, um sein Fleisch und Blut als Opfer für die christliche Gedächtnisfeier einzusetzen.

Die AUFERSTEHUNG JESU stellt das erste und ursprüngliche Fest der Christen dar.
Ostern wird jedes Jahr nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert und fällt immer in den
Zeitraum vom 21. März bis zum 25 April, also genau zu Beginn der Frühlingszeit, wenn die
Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht und neues Leben aus den Zweigen bricht.
Die Verbindung des kirchlichen Osterfestes und der Frühlingszeit ist nicht nur auf das Datum
beschränkt, sondern die Auferstehung Jesu zeigt uns, dass eine wirklich neue Zeit
angebrochen ist.

Für die Christen ist die Auferstehung Jesu ein zentrales Ereignis. Damit wird der Tod nicht
als Ende, sondern als Neubeginn eines neuen Lebens gesehen.
OSTERN leitet sich von dem Begriff "Ostara" (Osten), "Eoastrae" oder "Eostre" ab, dem
angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin der Morgenröte. Das Wachen in der Nacht ist Kennzeichen der beiden christlichen Hochfeste Weihnachten und Ostern. „Niemand soll in der Nacht schlafen, sondern wach bleiben bis zur Morgenröte“.(Canones Hippolyti)

Der kirchenlateinische Begriff „Pascha“ oder „Passah“ wurde seit jeher mit Ostern
gleichgesetzt.

Im Christentum dauert die Osterzeit 50 Tage bis Pfingsten. Vor dieser Osterzeit liegt die
Fastenzeit auch Passionszeit genannt, die 40 Tage andauert und am Aschermittwoch beginnt.
Weitere christliche Feiertage in dieser Zeit sind in der Karwoche der Palmsonntag und der
Gründonnerstag.

Mit dem OSTERFEUER beginnt liturgisch die Feier der Osternacht.

Das Feuer ist schon im Altertum den Menschen und Göttern heilig gewesen. Die 6Vestalinnen (altrömische Priesterinnen der Vesta) hatten dafür zu sorgen, dass niemals das heilige Feuer ausging.

Das Urfeuer war die Sonne, sie wurde u.a. in Ägypten göttlich verehrt. Die Osterfeuer
wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert. Denn man versuchte so, die Sonne mit dem
Frühlingsfeuer magisch auf die Erde herab zu ziehen. Auch Flammenräder ließ man von
Hügeln hinabrollen.

Mit den Osterfeuern wurde im Frühjahr die Sonne begrüßt. Sie galten auch als Kult zur
Sicherung der Fruchbarkeit, des Wachstums, der Ernte....

CHRISTLICHES OSTERFEUER:
Unser heutiges christl. Osterfeuer entstammt dem heidnischen Frühlingsfeuer, die ersten
wurden um 750 in Frankreich zum Osterbrauch entfacht.
Die Bedeutung des Osterfeuers wurde auf Gott übertragen.
Die Sonne wurde als Sieger über den Winter gesehen. Ebenso kann das Erscheinen von Jesu gedeutet werden, der durch seine Auferstehung den Tod besiegt.
Im 11. Jht. waren die Osterfeuer im deutschsprachigen Raum verbreitet.
Damals musste das Feuer aus einem Stein geschlagen, oder mittels Brennglas entflammt
werden. Die darauffolgende Weihe des Feuers hat sich in unserer Liturgie bis dato erhalten.

OSTERFEUER HEUTE:
Die Entzündung des heiligen Osterfeuers ist an Ostern ein zentrales Ereignis für die Christen.
Das Feuer wird am Ostersamstag, zu Beginn der Liturgie, in der Osternacht vor der Kirche
entzündet und geweiht.
Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet, die dann in feierlicher Prozession mit
dreimaligem Singen des "Lumen Christi" (Licht Christi) in das noch dunkle Gotteshaus
getragen wird.
Auch heute noch werden in zahlreichen Städten und Gemeinden von Jungen und Mädchen
Holz und Reisig gesammelt und zum großen Osterfeuer aufgeschichtet. Dort, wo die
Osterfeuer symbolhaft für das Lichtwerden durch die Auferstehung Christi stehen, ist es
Brauch , dass sie am Abend des Ostersonntags mit dem Licht der Osterkerze aus der
Pfarrkirche entzündet werden. Die Osterkerze symbolisiert den auferstandenen Christus.

MOTIVE DER OSTERKERZE:
Meist ein Kreuz, ein Baum, ein Lamm, eine Taube, das Sonnenlicht oder Wasser.
Auf der Osterkerze werden an dem Kreuz mit 5 Wachsnägeln, Weihrauchkörnern etc. die 5
Kreuzmale Jesu angedeutet und oberhalb des Kreuzes der erste griechische Buchstabe
„Alpha“ für Anfang und unterhalb der letzte griechische Buchstabe „Omega“ für Ende
plaziert. Symbolisieren: "Ich(Jesus Christus) bin der Anfang und das Ende".
Die Jahreszahl ist ebenso auf der Kerze vermerkt. Wird sie zu Ostern des Jahres z.B. 2000
geweiht, so trägt sie diese Jahreszahl bis Ostern 2001. Erst dann wird sie durch eine neue
Osterkerze mit der Jahreszahl 2001 ersetzt!
Die weiße Kerzenfarbe steht für die Hoffnung und das neue Leben.
Die Osterkerze brennt nur während der 50-tägigen Osterzeit von Ostern bis Pfingsten, an
Taufgottesdiensten, um an ihr die Taufkerze zu entzünden und bei Begräbnismessen.

In der OSTERKERZE vereinigen sich die griechische, jüdische, römische und christliche
Lichttradition. Das Licht gilt als ZEICHEN DES LEBENS !
Die Osterkerze und die Lichtfeier zu Beginn der Liturgie haben ihre frühesten Wurzeln in der
Sitte der alten Kirche, die Osternacht mit zahlreichen Kerzen zu erhellen. Zusätzlich gab es in Rom den Brauch, die Osternachtsfeier mit zwei ca. 2m hohe Kerzen zu erleuchten. Die
gesamte Feuersymbolik des Osterfeuers ist auf die Osterkerze übertragen worden. Sie steht heute im Mittelpunkt der Osternachtfeier!

In vielen Kirchengemeinden ist es üblich, dass auch die Gläubigen kleine Osterkerzen in die
Kirche tragen, an der großen Osterkerze entzünden und das Licht untereinander weitergeben.
In der ökumenischen Brudergemeinschaft von Taize in Burgund,Frankreich, feiert man in der
Versöhnungskirche jeden Samstagabend mit dem Osterlicht die Auferstehung: ZEICHEN
DER HOFFNUNG im Glauben, ZEICHEN FÜR DIE BERUFUNG der Christen, KINDER
DES LICHTS zu sein.

Das OSTERWASSER ?
Wasser spendet Leben (Fauna, Flora), reinigt, zerstört aber auch(wie die Sturmfluten zeigen).
Wie viele andere Bräuche geht auch das Osterwasser auf eine vorchristliche uralte
heidnische Entstehung zurück. Das Wasser stand als Zeichen des Lebens und der
Fruchtbarkeit und wurde zum Gedenken an die germanische Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera verehrt.
In der christl. Taufe ist die Symbolik des Wassers aufgenommen worden.
Im 4. Jht. wurde die Osternacht zur großen Taufnacht der Kirche! Dadurch entstand die
heutige Verbindung mit OSTERN und der TAUFE (Taufwasser).

So weiht der Priester in der Osternacht das Taufwasser für 1 ganzes Jahr und vollzieht
gegebenen Falles Taufen. Erfolgt keine Taufe und keine Taufwasserweihe, so vollzieht der
Priester eine Wasserweihe, in der Wasser gesegnet wird. Dies soll an die eigene Taufe
erinnern. Stets durften Gläubige das geweihte Wasser mit nach Hause nehmen. Es soll die
Bewohner so wie deren Häuser vor Unheil schützen.

Das Osterwasser sollte auch Ausschlag, Augenleiden und div. Krankeiten heilen, wenn man
es aus der Quelle schöpte. Man meinte früher, dass man, wenn man sich am Ostermorgen im fließenden Bach wäscht, immer jung bleibe. Um das Vieh vor Krankheiten zu schützen,wurde es am Ostermorgen in die Bäche getrieben.
In verschiedenen Regionen wird aus Dankbarkeit zum lebensspendendem Wasser noch heute der Brunnen im Dorf geschmückt und mit Osterschmuck verziert.

WEITERE OSTERSYMBOLE ?
HAHN: Ist ein Auferstehungssymbol.
HENNE: Symbol der Fruchtbarkeit.
FISCHE: Dienten während der Christenverfolgung durch die Römer als Erkennungszeichen
der jungen Christen. Das griechische Wort für Fisch heißt in deutscher Umschrift "I-CH-THY-
S". Diese Buchstaben können auch als Anfangsbuchstabe für den Satz "Iesu - CHristos -
THeu - Yios - Sotär" gelesen werden; deutsch: "Jesus - Christus - Gottes -
Sohn - Retter"

Ein altes Bild für Christus –zugleich ein Erkennungszeichen für Ostern- ist das
OSTERLAMM. Das Lamm, das uns auf Pellworm in diesen Tagen überall begegnet, ist
zunächst ein Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere, dem Scherer und dem Schlächter.
Es wird als Opfertier im Alten Testament mehrfach genannt.
Es ist ein bekanntes Ritual der Juden zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu
verspeisen. Dabei wird das Lamm zum Gedenken an Gott geschlachtet.
Im christl. Altertum legte man Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am
Auferstehungstag als 1. Speise verzehrt.

Auch JESU CHRISTI wird als solches bezeichnet, wenn es heißt:
>Seht, das LAMM GOTTES, das die Sünden der Welt hinwegnimmt<.
Der Priester verwandelt in Worten den Wein und das Brot zu Fleisch und Blut.
Das LAMM wird als ZEICHEN DES LEBENS verstanden.

Das Lamm ist somit symbolisch zum Lamm Gottes geworden. Bilder vom Osterlamm, oft mit Siegesbanner und Wundmalen dargestellt, hängen auch in Kirchen und sind in
Prozessionsfahnen eingestickt.

Das LAMM ist mit seinem weißem Fell auch ein SYMBOL FÜR DIE REINHEIT und die
FRIEDLICHE LEBENSWEISE. Es soll ein Zeichen für die Menschen sein, ihr Leben
ebenfalls in Frieden zu führen.

Im heutigen OSTERBRAUCHTUM ist das Lamm in den Hintergrund getreten.Als
Besonderheit an Ostern gibt es das gebackene Osterlamm auf den Mittagstisch. Das aus
Rührteig entstandene Backwerk wird mit viel Aufwand verziert und ist an traditionellen
Ostertischen Mittelpunkt.

Der OSTERHASE ist heute als österlicher Eierbringer bekannt. Erste Belege für den
Osterhasen aus dem Jahre 1678 sind von Georg Franck von Franckenau, einem
Medizinprofessor aus Heidelberg überliefert. Vor über dreihundert Jahren ist der Brauch im
Elsaß, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden.
Die Verbindung zwischen Ostern und Osterhase kann auf verschiedene Arten erklärt werden.
Der Hase kommt im Frühjahr zur Futtersuche in die Dörfer und Gärten und aufgrund des
ungewöhnlichen Verhaltens, sich in Menschennähe aufzuhalten, wird ihm gleichzeitig das
Ablegen der besonderen Eier angedichtet. In Verbindung steht damit das Frühlingserwachen der Tiere und Pflanzen in dieser Zeit. In Zürich ist aus alten Aufzeichnungen der Osterhase als Eierbringer überliefert. Dabei ist es von den Paten Brauch gewesen, Kinder einzuladen, um mit ihnen den Osterhasen zu jagen, d. h. es wurden die im Garten versteckten Eier gesucht. Die bunten Eier wurden dabei dem Osterhasen zugeschrieben, weil er viel flinker ist und die Hennen keine bunten, verzierten Eier legen konnten. Damit geht dieser Brauch auf den Erklärungsnotstand der Erwachsenen gegenüber den Kindern zurück. Denn die Hennen als Überbringer waren weniger glaubhaft als der Hase. Auch die Niedlichkeit des Hasen, vor allem für Kinder läßt den Glauben an den Hasen immer wieder aufleben. Dabei setzte sich der eierlegende Hase in Deutschland um die Jahrhundertwende durch und konnte bei der städtischen Bevölkerung schnell  überzeugen, denn die Landbevölkerung bedurfte aufgrund der besseren Kenntnisse über die Hasen mehr Überzeugungskraft,um an den Osterhasen zu  glauben. Noch im vorigen Jahrhundert war der eierlegende Osterhase in einigen Teilen Deutschlands, zum Beispiel im Harz, unbekannt.
Auch die christliche Deutung aus dem Psalm 104,18 ist möglich. In der Übersetzung wird von Klippdachsen gesprochen, jedoch findet man in alten Übersetzungen auch die Wörter Hase oder Kaninchen. In Byzanz war der HASE in der Tiersymbolik ein SYMBOL FÜR
CHRISTUS. Heute befindet sich ein bekanntes „Dreihasenbild“ als Glasbild im Kreuzgang
des Paderborner Domes.
Weiterhin steht der Hase als Zeichen der Fruchtbarkeit, was sich anhand der griechischen
Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera,
denen ein Hase als heiliges Tier zugeordnet wurde, belegen läßt. Die große Fruchtbarkeit
beweist der Hase durch seine starke Vermehrung mit bis zu 20 Jungen im Jahr.
Der Brauch der OSTEREIER hat seinen Grund in der vorangehenden Fastenzeit. Das Verbot der Kirche im Mittelalter , während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu sich zu nehmen,
hatte zur Folge, dass sich in den Wochen vor Ostern, die gute Legezeiten der Hühner sind,
große Mengen von Eiern ansammelten.Diese Eier eigneten sich gut dazu, fällige Pachten in
Form von Naturalien zu begleichen.
In der Kulturgeschichte der Menschen trifft man schon früh die Eier an, z.B. wurden sie im 4.
Jahrhundert als Grabbeigabe in römisch-germanischen Gräbern gefunden.
Der Brauch zu Ostern Eier zu bemalen und zu verschenken geht auf verschiedene Ursprünge zurück. Schon in der Urchristenzeit galt das EI als SINNBILD DES LEBENS UND DER AUFERSTEHUNG. Das Ei hält etwas verborgen, ist wie ein verschlossenes Grab, in welches ein Leben geschlossen ist. Damit wird die Beziehung zur Auferstehung Christi deutlich und die Verbindung zwischen dem Ei und Ostern für die Christen erklärbar. „Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen.“ (so der Volksmund)
Aber nicht nur der Beginn des Lebens, sondern auch die Zukunft des Lebens, im besonderen der Kinder, läßt Ostern zu einem Freudenfest werden. Auch die Frage nach der Ewigkeit kann durch die Form des Eies, ohne Anfang und Ende bzw. der Frage, ob zuerst Ei oder Huhn war, gedeutet werden. Die Verbindung zur Fruchtbarkeit ist durch die germanische Liebesgöttin Ostera gegeben. Der heutige Brauch der Ostereier geht-wie o.g.- auch auf die im Mittelalter übliche Bezahlung der Zinsen und Abgaben mit Eiern an Gründonnerstag zurück.
Das Bemalen der Eier kann durch die Natur bedingt sein, denn die Farbe und Muster von
Wildvogeleiern oder die durch Färbekräuter entstandenen Muster konnten als Vorbild für die
Bemalung durch den Menschen gedient haben. Durch den Fund eines bemalten Eies aus dem vierten Jahrhundert nach Christus kann man auf eine alte Tradition des Eiermalens
schließen. Die traditionelle Farbe für das Ei in der westlichen Welt ist seit dem 13.
Jahrhundert Rot( Roteier ), als die Farbe des Blutes Christi, des Lebens, des Sieges und der Lebensfreude.In Osteuropa findet man eher goldfarbene Eier, als Zeichen der Kostbarkeit.
Bis heute gibt es regional viele verschiedene Grundfarben für das Ei, die aus verschiedenen
Bedeutungen heraus erwachsen sind.
Es gibt Ostereier aus den verschiedensten Materialien. Bekannt sind Eier aus Gold, Silber,
Glas, Porzellan,Ton, usw.
Beliebt sind die Ostereier, besonders bei Kindern, aus Schokolade, Marzipan, sonstigen
Süßstoffen und wegen ihrer bunten Verpackungen.

OSTERBLUMEN sind ein Zeichen der erwachenden Natur,welche in Verbindung mit dem
christlichen Osterfest stehen. Die Osterblumen schmücken in den Familien meist bei dem
gemeinsamen Frühstück den Ostertisch.

OSTERREZEPTE
Traditionell wird das Osterfest in vielen Familien mit einem gemeinsamen ausgiebigen
Frühstück begonnen. Wichtig dabei sind ein festlich gedeckter Tisch in Frühlingsfarben,
erste Frühlingsblumen, schöne Tischdekoration, wie Namensschilder oder österliche
Tischkarten und natürlich die verschiedensten Leckereien für das leibliche Wohl.
Dazu gehören die ersten bunten Ostereier, Brötchen,frisches, selbstgebackenes Hefegebäck, Möhrenkuchen und natürlich Marmelade, Käse und Wurst.
Das Osterlamm ist nicht wie der Name vielleicht versprechen möchte, ein Fleischgericht,
welches zu Ostern zubereitet wird, sondern ein süßes Backwerk.
Es handelt sich dabei um einen Rührkuchen, der in einer Lammform ausgebacken und mit
Puderzucker bestreut wird.
Dieses traditionelle Ostergebäck bildet auf jedem Osterfrühstückstisch oder auf jeder
Kaffeetafel auch noch heute den Mittelpunkt.
Hier eines der vielen verschiedenen Rührteigrezepte, die in vielen Familien von Generation
zu Generation weitergegeben werden.

Zutaten ( für eine Form von ca. 700 bis 800 ml Inhalt )
125g weiche Margarine
125g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
50g Kokosraspel
3 kleine Eier
100g Weizenmehl
Backöl Zitrone
Semmelbrösel
Puderzucker

Die Lämmchenform mit etwas Margarine ausfetten und den Semmelbröseln ausstreuen.
Die Margarine mit dem Handrührgerät mit Schneebesen schaumig rühren. Den Zucker mit
dem Vanillezucker und dem Salz in kleinen Portionen unterrühren bis er sich gelöst hat.
Einige Tropfen Backöl Zitrone zum Teig geben. Die Eier einzeln unterrühren ( jeweils eine
Minute ).Das Mehl sieben und unterrühren.
Die Kokosflocken in einer Pfanne ohne Fett anrösten, abkühlen lassen und unter den Teig
heben. Bei 170 bis 200°C bei Ober-/Unterhitze ungefähr 40 Minuten backen lassen.
Nach dem Ende der Backzeit das Lämmchen etwas in der Form abkühlen lassen, dann aus
der Form nehmen und völlig erkalten lassen. Abschließend mit gesiebtem Puderzucker
bestreuen. Heute sind neben den gebackenen Osterlämmchen auch gebackene Osterhasen
bekannt. Hier werden anstatt Lammformen Osterhasenformen mit den unterschiedlichsten
Rührteigvariationen gefüllt.

Schließen möchte ich mit einem Wort und einem schönen Osterlied:

„Nicht die Rituale sind es letztlich, die unser Leben heilen, sondern Gott selbst, dem die
Rituale die Möglichkeit bieten, in unser Leben einzubrechen, es zu gestalten , zu heilen und zu verwandeln.“ (Anselm Grün)

Von Friedrich Spee stammt aus dem Jahr 1623 das folgende OSTERLIED:
„Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja,Halleluja
in deiner Urständ (=Auferstehung) fröhlich ist.
Des Himmels Heer im Himmel singt,- die Christenheit auf Erden klingt.
Jetzt grünet, was nur grünen kann,- die Bäum zu blühen fangen an.
Es singen jetzt die Vögel all,- jetzt singt und klingt die Nachtigall.
Der Sonnenschein jetzt kommt herein,- und gibt der Welt ein´neuen Schein.
Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,- in deiner Urständ fröhlich ist.“ (GL 219)

Ich wünsche Ihnen allen :„Fröhliche Ostern!“ -verbunden mit dem hebräischen Gruß
„Le chajim“ –„Auf das Leben!“
Matthias Hagenhoff,Pellworm
 
Wort des Monats März 

März 2010

Wie glaube ich?
Wie ist mein Verhältnis zum menschgewordenen Gott?
Und wie lebe ich es?
Aus unseren zwischenmenschlichen Beziehungen wissen wir:
Wer von anderem oder anderen bloß flüchtig betroffen ist,
ohne beteiligt zu sein,
bleibt letztlich doch bei sich,
versteht das andere und den anderen nicht wirklich.
Das gilt auch für unser persönliches Verhältnis zu Gott.

Elmar Nass

Weniger ist oft mehr!

Vor etlichen Jahren wirkte das Wort „Fasten“ ziemlich antiquiert. Heute erlebt es eine erstaunliche Renaissance, wie ein Blick in die Welt der Werbung beweist. Zahlreiche Unternehmen haben die Fastenzeit als eine Zeit entdeckt, in der man mit Gesundheit und Wellness beim Konsumenten punktet. Das ist ja grundsätzlich einmal nicht schlecht. Unsere figürliche Verfasstheit sollte allerdings nicht das einzige sein, dem wir in diesen Tagen vermehrt unser Augenmerk schenken. Wir dürfen schon ein wenig tiefer gehen. In unserer schnelllebigen und oft so lauten Welt kann die Fastenzeit zu einer Oase werden, wo wir Ruhe und Halt finden können.

Weniger ist ja tatsächlich oft mehr, auch wenn man's nicht immer gleich begreift.

Etwas weniger bedeutet manchmal auch auf etwas verzichten – etwas aufgeben – etwas hergeben – etwas geben. Und Geben bedeutet ja nicht vorrangig etwas zu verlieren, sondern vielmehr jemanden damit reicher zu machen, vielleicht letztendlich auch mich selber.

Dazu habe ich vor einiger Zeit folgende Geschichte von Hans Christian Andersen gehört: „Ihr hättet mich früher sehen sollen“, erzählte die alte Teekanne. „Damals war ich noch ganz – mit Deckel, Henkel und mit dem eleganten geschwungenen Ausguss! Er machte mich zur Königin auf dem Tisch. Was waren denn im Gegensatz zu mir die Tassen, die Zuckerdose und die Löffel? Und ich gebe zu: Ich habe sie das auch spüren lassen. Dann passierte es. Eines Tages ließ mich jemand versehentlich fallen. Seitdem sehe ich so aus wie jetzt.

Da lag ich nun halb ohnmächtig! Und das Gelächter der Teller und Tassen höre ich noch heute. Ich wurde weggestellt und schließlich einer Bettlerin mitgeben. Die machte dann das Furchtbarste, was man einer Teekanne antun kann: Sie füllte mich mit Dreck! Stellt euch vor: Dreck, wo einmal die edelsten Teesorten eingelegt waren!

Dann legte sie in diese Erde eine Blumenzwiebel. Ich spürte, wie sie wuchs. Sie wurde mein neues, lebendiges Herz – statt meines bisherigen stolzen Herzen aus Stein. Weil sie so schön war, kamen wir aufs Fensterbrett. Und alle, die vorübergingen, schauten auf die Blüte – nicht auf mich. Aber ich wusste, wie wichtig ich war: ich hielt die Feuchtigkeit und gab ihren Wurzeln Halt.
Ich muss euch sagen, ich war noch nie im Leben so zufrieden wie damals, als ich ganz für diese Blume da war – als ich mich ganz für diese Blume vergaß. Das wollte ich euch sagen!“

Die Teekanne musste ihren vornehmen Lebensstil aufgeben um zu wissen, wie wichtig sie war. Mit Dreck glaubte sie gefüllt zu sein bis sie merkte, dass es fruchtbare Erde war, die Voraussetzung für alles Wachstum. Und als sie in sich hineinhörte, spürte sie plötzlich die Blumenzwiebel als lebendiges Herz in ihr, das schließlich zu einer wunderbaren Blume wurde.
 

Öffne die Augen unseres Herzens, damit wir deine Gegenwart in uns erkennen.

Es ist für so manchen Bauherren in unseren alten Städten oft zum Verzweifeln. Kaum beginnen die Bauarbeiten, da kommen die Archäologen mit Schäufelchen und Pinsel daher und legen die Baustelle für unbekannte Zeit still. Und wenn sie einen alten Brunnen gefunden haben, dann jubeln und frohlocken sie, denn der Unrat im Brunnen ist sehr aufschlussreich für die Geschichte und wird sorgfältig weg- und aufgeräumt, bis der Grund des Brunnens deutlich und sauber vor ihnen liegt.
So ein Brunnen ist jeder Mensch. Da gibt es in diesem Brunnen viel Unrat, der viel über die Geschichte des Menschen berichten kann, aber den Grund mit dem klaren Wasser oft nicht zugänglich macht.
Viele Menschen geben sich mit diesem Unrat zufrieden und lassen ihn dort, wo er ist. Nur das klare Wasser des Brunnens in sich selbst finden sie nicht. So können sie dieses klare Wasser nicht genießen und auch nicht daraus Kraft und Leben schöpfen.
Tief in unserem Inneren ist Gott selbst in uns gegenwärtig. Es wird noch deutlicher: Er ist in mir gegenwärtig. Und so muss ich mich wie ein Archäologe auf den Weg und auf die Suche machen, um Gott in mir zu entdecken. Er ist da und will in mir gefunden werden.

Und diese Gegenwart Gottes in mir hat erhebliche Auswirkungen. Sie ist letztlich der Grund meiner Würde, denn er wohnt in mir. Aber er ist nicht nur in mir, sondern er lebt auch in den anderen Menschen und begegnet mir auch in den anderen Menschen. Auch sie sind nach seinem Bilde geschaffen, und auch in ihnen wohnt er.
 

So kann und muss ich ihn auch im anderen Menschen sehen. Im Mitmenschen kommt er selbst auf mich zu, um auch durch den Mitmenschen bei mir zu sein. Welche eine große Würde hat Gott uns Menschen gegeben. Und wenn sich diese mit göttlicher Würde geschmückten Menschen zur großen Danksagungsfeier, der Eucharistie, versammeln, dann ist er mitten unter ihnen und in ihnen. Welch ein Grund zur Freude und zum Jubel!
 

Erster Impuls zur Fastenzeit
Wer die kommende Fastenzeit in diesem Jahr bewusst erleben will, für den erscheinen hier Tipps und Hinweise. Sie sind praktisch und kosten nicht viel Zeit. Aber sie können den Tag verändern.

Mein Tipp: Entdecken Sie die Langsamkeit! Planen Sie in Ihren Tag kleine Pausen ein. Machen Sie eines nach dem anderen. Dann bekommen die Dinge, die Sie tun, eine neue Qualität. Sie können bewusster leben. Konkret könnte das zum Beispiel bedeuten:
Stellen Sie den Wecker zehn Minuten früher. So haben Sie Zeit, in aller Ruhe auf Ihren Tag vorauszublicken: Was kommt heute auf mich zu? Worauf freue ich mich, was macht mir Sorge? Was sich da in Ihnen regt, dürfen Sie wahrnehmen und davon auch Gott erzählen.
Wenn Sie essen, dann essen Sie. Entscheiden Sie sich bewusst dafür, in dieser Woche nicht zugleich zu essen, den Fernseher angeschaltet zu haben und mit Ihrem Partner nebenbei auch noch über ein schwieriges Problem zu sprechen.
Planen Sie für den Weg zur Arbeit fünf Minuten mehr Zeit ein. So können Sie ohne Hektik unterwegs sein. Vielleicht fällt Ihnen dabei zum ersten Mal etwas Schönes am Weg auf. Oder Ihnen kommt ein Gedanke, für den Sie sonst gar keine Zeit hätten.
 

Übrigens: Die Bibel erzählt, dass auch Jesus eines nach dem anderen gemacht hat. In Mk 1,21-39 können Sie Jesus einen Tag lang in Kafarnaum erleben: Zuerst in der Synagoge, dann bei der Schwiegermutter des Petrus; anschließend war er für viele Kranke da. Am nächsten Morgen nahm er sich Zeit für sich selbst und danach ging es wieder weiter.
 

Zweiter Impuls zur Fastenzeit
Wenn um 20.00 Uhr die Nachrichten im Fernsehen kommen, dann geht er nicht ans Telefon. Diese Viertelstunde will er nicht gestört werden. Kurz und kompakt ist da zu sehen, was in der Welt Wichtiges geschehen ist. So konzentriert bekommt er sonst nirgends einen Überblick. Deshalb ist ihm die Tagesschau wichtig.
So wichtig wie die große Weltpolitik darf auch das eigene Leben sein. Wie wäre es mit einer ganz persönlichen Tagesschau? So kann Ihnen bewusst werden, was heute alles gewesen ist. Denn Ihr Leben ist zu kostbar, um einen Tag einfach so zu beschließen. Es könnte ja sein, dass sich heute noch viel mehr ereignet hat als das übliche Einerlei. Da wäre es doch schade, wenn Sie das übersehen würden.
Deshalb schlage ich Ihnen vor: Schauen Sie sich am Abend Ihren Tag noch einmal an. Lassen Sie ihn vor Ihrem inneren Auge wie einen Film ablaufen. Wie Sie am Morgen aufgestanden sind, den Vormittag verbracht haben, die Mittagszeit und den Nachmittag, den Abend. Dabei können Sie darauf achten, was Sie jetzt beim Anschauen bewegt: Wo regt sich dabei etwas in mir? Wo komme ich vielleicht jetzt erst ins Staunen? Wo geht ein Licht auf, weil mir plötzlich etwas klar wird? Und wenn Sie Gott zu Beginn bitten, mit Ihnen Ihren Tag anzuschauen, könnte das manche Entdeckung bringen. Zum Abschluss dürfen Sie alles in Gottes Hände legen: Die Menschen, denen Sie begegnet sind; die Arbeit, die Sie gemacht haben; alles, was heute gelungen ist, und auch das, was schwierig war oder wo Sie alleine nicht mehr weiter kommen. Das kann manchmal richtig entlastend sein. Und je nachdem, wie Ihr Tag war, können Sie dann Gott danken, Ihn fragen oder bitten.
Es gibt viele Möglichkeiten für solch eine persönliche Tagesschau: Zu Hause vor einer brennenden Kerze, auf dem Balkon, wenn Sie zu den Sternen schauen, bei einem abendlichen Spaziergang rund um den Häuserblock.
 

Seit fast 500 Jahren beten Menschen auf diese Weise. Für manche ist das die wichtigste Viertelstunde des Tages geworden.
 

Dritter Impuls zur Fastenzeit
„Achten Sie doch einfach auf Ihre Sehnsucht. Die wird Sie führen“, hatte der Pfarrer zu ihm gesagt. Er wollte zu Gott finden. Und deshalb fasste er eines Tages all seinen Mut zusammen und fragte den Pfarrer nach einem guten Buch. Und stattdessen fragte der ihn: „Wonach sehnen Sie sich denn? Was ist der größte Wunsch, den Sie haben?“
Die Sehnsucht ist ein Weg zu Gott. Sie zeigt, wo Gott dem Menschen etwas schenken möchte. Sie macht deutlich, wo ich etwas von Gott erwarten darf und wie er sich mir nähern möchte. Die Heiligen haben das immer wieder gespürt. Der heilige Augustinus sagt: „Willst du unaufhörlich beten, höre nie auf dich zu sehnen.“ Auch für den heiligen Ignatius von Loyola ist die Sehnsucht wichtig. Er schlägt vor, jedes Gebet damit zu beginnen, dass ich Gott erzähle, was ich mir wünsche und erhoffe.
Achten Sie auf Ihre eigene Sehnsucht und nehmen Sie sie ernst: Was wünschen Sie sich? Was erhoffen Sie sich für Ihr Leben?
Vielleicht ist Ihnen das ja sofort klar, weil Ihnen spontan etwas einfällt. Vielleicht liegt Ihre Sehnsucht aber auch tiefer in Ihnen. Dann helfen Ihnen möglicherweise die folgenden Hinweise:
Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei ganz persönliche Wünsche frei. Was würden Sie sich wünschen?
Wenn Sie nur noch eine Woche zu leben hätten, was würden Sie auf jeden Fall noch tun wollen?
Gibt es eine Bibelstelle, ein Gedicht, ein Bild oder eine Musik, in der Sie etwas von dem finden, was Sie sich in Ihrem Innersten erhoffen?
Wenn Sie wollen, können Sie sich diese Fragen einfach in Ihre Woche mitnehmen. Sie können darüber nachdenken, wenn Sie auf den Bus warten oder im Supermarkt an der Kasse stehen. Schon die Frage „Wonach sehne ich mich?“ kann manches verändern. Vielleicht wird Ihnen zum Beispiel bewusst, dass die Arbeit nicht alles ist. Oder Sie merken: Ich wünsche mir eine tiefere Beziehung. Oder es taucht ein Gedanke auf, der bis jetzt noch nie da war.
Als Christ dürfen Sie darauf vertrauen, dass jede echte Sehnsucht auch etwas mit Gott zu tun hat. Was möchten Sie Ihm davon erzählen? Wie möchten Sie es vor Ihm ausdrücken? Und was hat Er Ihnen dazu zu sagen? Vielleicht gibt es da ja noch manches zu entdecken.

Vierter Impuls zur Fastenzeit
„Er schaut ganz wie der Vater aus“, sagen die Nachbarn. „Die Nase hat er von der Mutter.“ Es hat Nachwuchs gegeben. Und als die Eltern mit dem neugeborenen Baby vom Krankenhaus nach Hause kommen, gratulieren die Nachbarn. Es macht ihnen Freude, die Gesichtszüge des kleinen Thomas mit seinen Eltern zu vergleichen. Wie ähnlich er doch ausschaut!

Ganz wie der Vater. So wie die Mutter. Die Bibel sagt: Jeder Mensch ist Gott ähnlich. Jeder ist ein Ebenbild Gottes: „Lasst uns den Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich“ (Gen 1,26). Haben Sie daran schon gedacht, als Sie heute Früh vor dem Spiegel standen? Sie sind ein Abbild Gottes. Und Sie gefallen Gott.

Sie sind sein Geschöpf, Ihm ähnlich. Deshalb meint Gott es gut mit Ihnen.
Wenn Sie davon etwas wahrnehmen wollen, könnten Ihnen vielleicht die folgenden Hinweise weiterhelfen:
Nehmen Sie sich morgens im Bad eine Minute Zeit, um sich selbst im Spiegel anzuschauen. Achten Sie dabei nicht auf die Falten unter den Augen oder auf die ersten grauen Haare. Stellen Sie sich vor, dass Gott jetzt auf Sie schaut. Sie sind Sein Geschöpf. Er blickt ganz liebevoll auf Sie. Versuchen Sie doch einmal, sich selbst so anzublicken. Vielleicht können Sie auf diese Weise den liebevollen Blick Gottes ein bisschen wahrnehmen. Möglicherweise begleitet Sie dieser Blick durch den ganzen Tag.
Gönnen Sie sich in dieser Woche etwas Gutes. Ein besonderes Essen, eine CD, die Sie sich in Ruhe anhören, ein Besuch bei Freunden oder im Schwimmbad. Was immer Ihnen hilft, darüber zu staunen, dass Sie gut geschaffen sind.
Auch Ihr Partner, Ihre Nachbarin, Ihr Arbeitskollege sind Geschöpfe Gottes. Wenn Sie ihnen begegnen, stellen Sie sich für einen Augenblick vor, sie hätten einen „Heiligenschein“ um den Kopf. Vielleicht können Sie sie dann mit Gottes Augen anschauen.

Die Bibel sagt: Als Gott den Menschen geschaffen hatte, fand Er ihn sehr gut (vgl. Gen 1,31). Daher dürfen Sie sich auch selbst gut finden. Denn in den Augen Gottes haben Sie einen ganz eigenen Wert.
 

   
 

Februar 2010

Das Leben - Atem Gottes in uns
Von Pierre Stutz

„Das Leben ist das, was passiert, während wir mit anderem beschäftigt sind.“
(John Lennon)

„Es gibt keine echte Begegnung ohne Zwischenraum.“
(Martin Buber) 

 Wort des Monats Februar - Momme-Nissen-Haus
„Das Leben ist das, was passiert, während wir mit anderem beschäftigt sind“, schreibt John Lennon. Ich liebe diesen Satz. Er eröffnet mir einen weiten Raum, um zu mir selbst zu erwachen. Mitten in meinen alltäglichen Aufgaben und Sorgen werde ich auferweckt zur Lebendigkeit: Ganz unscheinbar, in einem Nebensatz; ganz überraschend durch eine Geste, die viel bei mir auslöst; ganz unerwartet durch eine Traumsequenz, die mich hellhörig werden lässt; ganz kraftvoll durch ein Gedicht, eine Filmszene, die mich im Innersten anrühren. Ich bin zutiefst dankbar für all die kurzen, dichten Momente in meinem Leben, in denen ich in großer Klarheit erfahre, was mich unmittelbar angeht, was ansteht und angegangen werden möchte.

Auch in meiner spirituellen Begleitung von Menschen achte ich darum auf Zwischenräume, in denen Worte nachklingen können, jene kostbaren kleinen Schweigemomente.

„Es gibt keine echte Begegnung ohne Zwischenraum“, sagt Martin Buber. Ich bin bewegt von jenen Zwischenhalten, in denen durch die Stille und die Leere die ganze Fülle eines Gedankens aufscheint, damit er behutsam-bestimmt ins eigene Leben hineingewoben werden kann. Bestärkend ist die Erfahrung, dass sich diese Klarheit nicht nur durch einen Leidensdruck äußern muss, sondern auch durch die Kraft der Liebe, die uns verwandeln kann.
Das Leben, der Atem Gottes in uns, ist stärker als all die einengenden Lebensmuster, die uns gefangen halten wollen in der Selbstentfremdung, die uns nicht nur von uns selbst entfremdet, sondern auch von den andern und vom tiefsten Hoffnungsgrund in uns. Wir dürfen vertrauen, dass mitten in unserem alltäglichen Tun die Auferstehungskraft durchbricht und uns erlöst zu einem befreiten Dasein; nicht ein- für allemal, sondern immer wieder neu.


Pierre Stutz ist ein Schweizer katholischer Theologe und Autor. 1994 initiiert er zusammen mit den Frères des Écoles Chrétiennes von Fontaine-André in der Nähe von Neuchâtel ein "offenes Kloster", eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, auch verheirateten, die miteinander eine Spiritualität im Alltag suchen und leben.


Die meisten Menschen
ahnen nicht, was Gott
aus ihnen machen könnte,
wenn sie sich Ihm nur zur
Verfügung stellen würden.

Ignatius von Loyola


Der Stern am Firmament deines Herzens ist ein Bild für die Sehnsucht, die dich treibt. Trau deiner Sehnsucht, folge ihr bis an den äußersten Rand.

Pater Anselm Grün
 
 

Januar 2010

Hoffnungsperspektiven für das Jahr 2010!

Der heilige Hieronymus, einer der bedeutendsten Theologen der frühen Kirche, predigte einmal über das Evangelium „Die Hochzeit von Kana“. Nach der Predigt kam ein Zuhörer zu ihm und bemerkte spöttisch, 500 bis 700 Liter Wein, das sei ja eine ganze Menge. Ihn würde interessieren, wie die Leute diese Menge geschafft hätten. Hieronymus soll ihm geantwortet haben: „Lieber Freund, von d e m Wein trinken wir immer noch!“

 Momme-Nissen-Haus Pellworm
 Auch wir trinken immer noch davon. Jedenfalls ist er uns auch im eucharistischen Sakrament angeboten. Ein guter Wein beruhigt den Magen, belebt die Geister, schafft Gemeinschaft unter Menschen und weckt die Lebensfreude. Hermann Hesse sagte einmal: „Der Wein wandelt die Wirrnis des Lebens in große Mythen und spielt auf mächtiger Harfe das Lied der Schöpfung.“
Das Evangelium Gottes ist wie ein guter Wein, der die Wirrnis unseres Lebens wandelt. Das Weinwunder Jesu ist ein Zeichen der Nähe Gottes. Sein menschenfreundliches Handeln ist eine starke Ermutigung, seine Anwesenheit eine Hoffnungsperspektive für das Jahr 2010. In den vergangenen Tagen haben wir einander gute Wünsche zugesprochen: es möge ein gutes Jahr werden, ein leichtes, ein gesundes, ein gesegnetes Jahr. Aber wann ist ein Jahr gut? Wann ist es gesegnet?
Christen denken positiv, reden positiv, handeln positiv. Das heißt: Sie s o l l t e n es!! Sie hätten Grund dazu: lieber eine Kerze anzuzünden, als ewig über die Dunkelheit zu klagen. Statt darüber zu klagen, dass das Glas schon halb leer ist, könnten sie auch sagen: Es ist noch halb voll! Das hat mit Vertrauen zu tun, mit einer tiefen Dankbarkeit, mit der Fähigkeit, das Glück in den kleinen Dingen zu finden, mit der festen Zuversicht Martin Luthers, dass es gut sei, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen, auch wenn morgen die Welt unterginge. So würde ein oberflächlicher Optimismus wachsen zu einer tragfähigen Hoffnung.

In 60er Jahren des letzten Jahrhunderts erschien von dem Ärzte- und Forscherehepaar Mitscherlich ein Buch mit dem Titel „Die Unfähigkeit zu trauern“. Vielleicht müsste man diesen Titel noch ergänzen: „Die Unfähigkeit zur Freude“. Freude über die eigene Kraft, Freude über die Schönheit der Welt, über die Güte Gottes. Leben wir als Christen – trotz aller Krisen- in einer freudigen Grundstimmung mit einem Lächeln auf dem Gesicht?
Viele Gewissheiten und unerschütterliche Glaubenssätze früherer Zeiten haben offensichtlich an Wert verloren. Wie kann dennoch Sinnstiftung und Orientierung in einer orientierungsarmen Zeit gelingen, so dass etwas von dem Glanz der Hochzeit zu Kana – dem Vorgeschmack auf das himmlische Hochzeitsmahl im Reich Gottes - mitten im Alltag aufleuchtet und wir im Herzen verwandelt werden?

Orientierung geschieht für mich durch Menschen, die in kein geistliches Schema passen, die aber authentisch auf ihre Weise menschliche Existenz erhellen. Orientierung geschieht für mich immer wieder durch eine vitale, aktive und hoffnungsfrohe Kirche, die offen ist für Neues, für Unerwartetes, die mutig und suchend „zu neuen Ufern“ aufbricht, die ausstrahlt und begeistert weitergeht, begleitet von Priestern, Seelsorgern und Seelsorgerinnen, die in lebendigem Dialog und im existentiellen Vollzug des Glaubens dazu beitragen wollen, den guten Wein, den das Evangelium anbietet, als eine nie versiegende Quelle der Freude und große Liebeserklärung Gottes zu erkennen und weiterzugeben.

So gibt es immer wieder Hoffnungsperspektiven, die zeigen, dass ein Wunder der Verwandlung, eine Wendung zum Guten möglich ist.
Prosit Neujahr!

Matthias G.-Hagenhoff

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